Erstes Kapitel: Der Geist im Wirtschaftsleben
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eines Handwerkers und eines amerikanischen Trustmagnatenbestehen.
Ich behaupte demgegenüber (und kann natürlich den vollenBeweis erst im Verlauf dieses Buches erbringen):
1. daß es keineswegs immer nur um „Gradunterschiede" sichhandelt, wenn z. B. ein Wirtschaftssubjekt grundsätzlich empirischoder grundsätzlich rationalistisch wirtschaftet; wenn das wirt-schaftliche Äandeln im einen Falle vorwiegend intellektuelle, imanderen Falle vorwiegend gefühlsmäßige Betätigung erheischt;
2. daß aber, auch zugegeben, es seien immer nur „Grad-unterschiede", die den Geist zweier Wirtschaftenden trennen, diese„Gradunterschiede" bedeutend genug sein können, um „Wesens-unterschiedlichkeiten" oder sagen wir richtiger: wesentliche Unter-schiedlichkeiten zu begründen. Soll man die Elemente der Logikund Psychologie lehren? Auch ein Riese ist nur „graduell"vom Zwerg unterschieden, ebenso wie die Kitze von der Kälte,das Alter von der Jugend, die dichte Besiedelung von der dünnen,die Großstadt von der Kleinstadt, das Forte vom Piano usf.
Die anderen geben zwar zu, daß jeweils recht verschiedener„Geist" in dem wirtschaftlichen Verhalten der einzelnen zutagetritt, legen aber Wert darauf zu behaupten, daß die menschlicheNatur doch „immer dieselbe" bleibe und nur je unter ver-schiedenen Amständen verschiedene Seiten ihres Wesens ent-wickele. Nun ja, das versteht sich ja eigentlich von selbst, daßin aller Menschheitsgeschichte es sich um „dieselbe" menschlicheNatur handelt. Das ist ja die Grundvoraussetzung aller Ge-schichtsschreibung, da wir ohne sie überhaupt kein geschichtlichesGeschehen begreifen würden. Natürlich sind die Grundtatsachendes menschlichen Lebens: Geburt und Tod, Liebe und Äaß,Treue und Verrat, Lüge und Wahrheit, Äunger und Durst,Armut und Reichtum immer dieselben. Auch die Notwendigkeitzu wirtschaften ist immer dieselbe und ebenso der Ablauf des