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Einleitung
wirtschaftlichen Prozesses bleibt derselbe. And es ist gewißeine reizvolle Aufgabe, das in aller menschlichen GeschichteGleichbleibende zu begreifen und zu schildern. Nur Aufgabedes Historikers ist es doch wohl nicht. Denn Geschichte schreibenheißt doch wohl das jeweils Verschiedene darstellen. Daß nunaber solche „Verschiedenheiten" auch im Wirtschaftsleben dieÄülle und Fülle da sind, auch innerhalb seiner geistigen Be-standteile, und daß sie recht wohl wert sind, als solche erfaßtzu werden, das haben, sollte ich meinen, die Antersuchungendes letzten Menschenalters zur Genüge ergeben. Wenn manwill, mag man diese Verschiedenheit des wirtschaftlichen Geistesals verschiedene Äußerungen einer und derselben „menschlichenNatur" betrachten: Dann gilt es eben die Verschiedenartigkeitdieser „Äußerungen" darzustellen.
Nun ist damit aber die Meinungsverschiedenheit zwischenden Historikern und mir noch nicht erschöpft. Ja, ihr Äaupt-einwand, den sie aus der ganzen Fülle ihrer Einzelkenntnisseheraus erheben, ist noch gar nicht erwähnt. Es ist nämlichdieser: auch zugegeben, daß es verschiedenen Geist in ver-schiedenen Wirtschaftssubjekten gibt und zu verschiedenen Zeitengegeben hat: unzulässig ist es (was ich tue), von dem Geisteiner bestimmten Wirtschaftsepoche zu reden und verschiedeneEpochen in der Geschichte nach der Verschiedenheit ihreswirtschaftlichen Geistes abzugrenzen. Anzulässig ist das, sagensie, weil zu jeder Zeit verschieden geartete und verschiedenorientierte Wirtschaftssubjekte dagewesen sind.
Ich will genauer umschreiben, was ich meine. Eine Epocheim Wirtschaftsleben nach dem Geiste im Wirtschaftslebenunterscheide ich danach, ob in einer bestimmten Zeit ein bestimmterGeist vorgeherrscht hat.
Ich bemerke im vorhinein, daß damit die Wirtschaftsepochenoch nicht voll charakterisiert wird, da es zu diesem Ende not-