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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erstes Kapitel: Der Geist im Wirtschaftsleben

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wendig ist, die der Zeit eigentümliche äußere Struktur desWirtschaftslebens heranzuziehen. Erst diese zusammen mit demherrschenden Geist ergeben die Gesamtansicht einer Zeit. DieForm einer Wirtschaft und der Geist, in dem sie geführt wird,stehen zwar generell im Verhältnis adäquater Beziehung, nichtaber in dem einer gesetzlichen Abhängigkeit voneinander, wieMax Weber das bereits in dem Falle Benjamin Franklin ausgeführt hat.Benjamin Franklin war mit kapitalistischemGeiste erfüllt zu einer Zeit, wo sein Buchdruckerbetrieb derForm nach sich in nichts von irgendeinem Handwerksbetriebunterschied." In meiner Terminologie heißt das: erst dasWirtschaftssystem charakterisiert eine Wirtschaftsepoche, wennes in ihm vorherrscht. Wollen wir uns die Möglichkeiten klarmachen, die hier obwalten können, so müssen wir uns erstKenntnis verschaffen von dem, wasein bestimmter Geist" be-deutet, und von dem, was .vorherrschen" bedeutet.

Wir unterscheiden die theoretische von der empirischen Be-trachtung. Die theoretische Betrachtung verhilft uns dazu:

1. einzelne Züge, die wir bei wirtschaftlich handelndenPersonen beobachtet haben, konsequent durchzudenken und sie zuvoller begrifflicher Reinheit zu entwickeln: etwa die Idee derNahrung, das Gewinnstreben, den ökonomischen Nationalismusoder Traditionalismus usw.;

2. diese einzelnen Züge zu einem harmonischen Ganzen zuvereinigen, das alsdann den Typ eines wirtschaftlichen Gesamt-geistes darstellt, wie er in der Idee sich uns ergibt.

3. die einzelnen Züge getrennt oder vereinigt können wir aufein gedachtes Wirtschaftssubjekt beziehen und dieses damit alseinen bestimmten Typ kennzeichnen, dem die einzelnen Bewußt-seinsinhalte oder der Komplex von Bewußtseinsinhalten alspsychologische Eigenschaften von uns verliehen werden.

Je nachdem wir nun einzelne Züge oder Komplexe von