Erstes Kapitel: Der Geist im Wirtschaftsleben
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wenn er die wirtschaftlichen Handlungen der meisten Wirt-schaftssubjekte bestimmt. Gegen eine solche Annahme eines„herrschenden" oder „vorherrschenden" Geistes wird nur derEigensinn oder der Unverstand geltend machen, daß in dieserselben Zeit auch Individuen gelebt haben, die anders orientiert,mit einem anderen Wirtschaftsgeiste erfüllt waren.
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Diese Besinnungen waren notwendig, um (für den zweifel-süchtigen Leser) die Bahn frei zu machen für die folgende Dar-stellung, die es sich als Aufgabe stellt, die Wandlungen deswirtschaftlichen Geistes in der Geschichtsepoche der westeuropäisch-amerikanischen Kultur zu schildern, insbesondere die Entstehungdesjenigen Geistes darzustellen, der unsere Gegenwart fast aus-schließlich beherrscht: des kapitalistischen .
In dieser Spanne Zeit, also seit dem Eintritt der germanisch-slawisch-keltischen Völker in die Geschichte — das ist dieThese — hat sich die Wirtschaftsgesinnung von Grund ausgewandelt, indem sich aus einem anderen, nennen wir ihn einst-weilen: vorkapitalistischen, Geiste der kapitalistische heraus-gebildet hat. Dieser moderne kapitalistische Geist ist eine fürunsere europäische Welt, deren Anfang im frühen Mittelalterliegt, neue Erscheinung, was nicht ausschließt, daß sich ein ähn-licher Wirtschaftsgeist schon früher einmal, in den Kulturen derAlten Welt, entwickelt hatte, auch nicht, daß dieser früherschon dagewesene Geist seine Hand im Spiele gehabt hat beider Entstehung des modernen kapitalistischen Geistes. Diese Ein-flüsse sind seinerzeit zu berücksichtigen. Berechtigt aber bleibtes, den Werdegang der Wirtschaftsgesinnung innerhalb desKulturkreises der europäischen Völker als eine für sich bestehendeSondererscheinung zu erfassen und zur Darstellung zu bringen.Daß man anderseits bis in die mittelalterliche Zeit zurückgehen