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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweites Kapitel: Die vorkapitalistische Wirtschaftsgesinnung 23

Alle diese Einzelzüge des vorkapitalistischen Wirtschafts-lebens wie des vorkapitalistischen Kulturlebens überhaupt findenihre innere Einheit in der Grundidee eines auf Beharrung undAuswirkung des Lebendigen im räumlichen Nebeneinander be-ruhenden Lebens. Das höchste Ideal jener Zeit, wie es daswundervolle System des heiligen Thomas in seiner letzten Voll-kommenheit durchleuchtet, ist die in sich ruhende und aus ihremWesenskern zur Vollendung aufsteigende Einzelseele. DiesemIdeal sind alle Lebensforderungen und alle Lebensformen an-gepaßt. Ihm entspricht die feste Gliederung der Menschen inbestimmte Berufe und Stände, die alle als gleichwertig in ihrengemeinsamen Beziehungen auf das Ganze gedacht werden unddie dem einzelnen die festen Formen darbieten, innerhalb derener sein individuelles Dasein zur Vollkommenheit entfalten kann.Ihm entsprechen die Leitideen, unter denen das Wirtschaftslebensteht: das Prinzip der Bedarfsdeckung und des Traditionalismus,die beide Prinzipien der Beharrung sind. Der Grundzugdes vorkapitalistischen Daseins ist der der sicheren Ruhe, wieer allem organischen Leben eigentümlich ist. !lnd es ist nunzu zeigen, wie diese Ruhe sich in Anruhe wandelt, wie dieGesellschaft aus einer grundsätzlich statischen zu einer grund-sätzlich dynamischen sich entwickelt.

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Derjenige Geist, der diese Wandlung vollbringt, der dieAlte Welt in Trümmer schlägt, ist der kapitalistische Geist, wiewir ihn nennen nach dem Wirtschaftssystem, in dem er haust.Es ist der Geist unserer Tage. Derselbe, der jeden ameri-kanischen Dollarmenschen wie jeden Flieger beseelt, der unserganzes Wesen beherrscht, und der die Geschicke der Welt leitet.Aufgabe dieses Werkes ist es, den kapitalistischen Geist seitseinen frühesten Anfängen während seines Werdeganges bis