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Erster Abschnitt: Der Anternehmungsgeist
Die Gründe erschallen; der Giergeist fliegt:Kein einziger Mann will des andern schonen.
Wißt Ihr davon?"
So lautet „die Kunde der Wala".
„Nun rat' ich dir, Siegfried: versäum' nicht den Rat
und reite heim von hinnen:Dies klingende Gold, dieser glutvolle Schatz,
diese Ringe müssen dich morden"
mahnt Fafner. Aber Siegfried antwortet:
„Schon riet'st du den Rat; und ich reite doch
zu dem Kort in dem Nest auf der Keide,Des Goldes waltet jedweder gern . .
Auch Siegfried!
Die Sage spiegelt nur die Wirklichkeit wieder. Alles sprichtdafür, daß frühzeitig in den jung-europäischen Völkern, wennauch vielleicht zuerst nur in den Oberschichten, eine unerschöpf-liche Sucht nach dem Golde und seinem Besitze erwacht war.Die Anfänge dieser Goldgier verlieren sich in das Dunkel derVorgeschichte. Aber wir dürfen annehmen, daß sie sich in den-selben Etappen wie bei anderen Völkern entwickelt habe.
Im Beginn der Kultur tritt uns die Freude an reinemSchmuck, an der glitzernden Pracht der Edelmetalle, die als Ge-schmeide verwandt werden, allein entgegen.
Dann stellt sich die Freude am vielen Schmuck ein.
Dann gesellt sich zu dieser die Freude am Besitze vielenSchmuckes.
Diese wandelt sich leicht zur Freude am Besitze vielerSchmuckgegenstände.
Endlich wird ein erster Höhepunkt in der Geschichte der Gold-sucht erreicht: die Freude am Besitze des Goldes: gleichviel inwelcher Gestalt, wenn auch die schöne Gebrauchsform noch immeram meisten geliebt wird.