Drittes Kapitel: Die Gier nach Gold und Geld ZI
Das ist die Epoche der Wortbildung, in der die ger-manischen Völker angelangt sind, als wir geschichtliche Kundevon ihrem Verhältnis zum Golde (und Silber) bekommen. DasStreben nach „Aorten " ist eine so wichtige Erscheinung in derGeschichte der europäischen Völker, daß wir uns etwas genauerüber sie unterrichten müssen. Ich teile deshalb hier einige Stellenaus der lebendigen Darstellung mit, die Gustav Frey tag vondiesen Vorgängen und Zuständen im frühen Mittelalter gibt"):
„Die Germanen waren ein geldloses Volk, als sie gegen dieRömergrenze anstürmten; die rollende Silbermünze der Römerwar seit dem dritten Jahrhundert schlecht, lange nur über-silbertes Kupfer von sehr unsicherem Verkehrswert. An dasGold hing sich also zuerst der Wunsch der Germanen. Aberes war nicht vorzugsweise das gemünzte Metall, welches ihnenlieb wurde, sie begehrten es als kriegerischen Schmuck und alsEhrengefäß beim Mahle, in der Weise eines jugendlichenVolkes, welches seine Äabe zu zeigen liebt, und nach Germanen-art, welche auch den praktischen Vorteil mit sinnigen Gedankenumzog. Ein kostbares Schmuckstück wär Ehre und Stolz desKriegers. Für den Herrn aber, welcher den Krieger unterhielt,war der Besitz solcher Kostbarkeiten von höherem Wert. DesHäuptlings Pflicht war es, mild zu sein gegen Mannen, undder beste Beweis solcher Milde war die reichliche Austeilungwertvoller Schmuckstücke. Wer das vermochte, war sicher, vondem Sänger und seinen Bankgenossen gerühmt zu werden undAnhang zu finden, so viel er bedürfte. Einen großen Schatzhaben war also gleichbedeutend mit Macht haben; die ent-standenen Lücken stets durch neuen Erwerb ausfüllen, war Auf-gabe des klugen Fürsten. Er mußte ihn sicher verwahren, dennseine Feinde stellten zuerst dem Schatze nach; der Schatz hobden Besitzer aus jeder Niederlage herauf, er warb stets Folg-same, welche ihm den Treueid leisteten. In der Wanderzeit