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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

wurde, wie es scheint, bei den Fürstengeschlechtern aller Völkerdie Anlage eines Äausschatzes Brauch. Mit Königskleid undThronsessel richtete als einer der spätesten Leuvigild um 568seinen Schatz her; bis auf ihn hatten die Könige der Westgotenin Tracht und Lebensart unter ihrem Volke gesessen wie andereMänner. Seitdem ruht überall die Königsmacht auf Reich,Schatz und Volk.

Der Schatz eines Fürsten bestand aus goldenem, später auchaus silbernem Schmuck und Gerät, aus Armringen, Spangen,Diademen, Ketten, Bechern, Trinkhörnern, Becken, Schalen,Krügen, Tischplatten und Pferdeschmuck, teils von römischer,zuweilen auch von heimischer Arbeit, ferner aus Edelsteinenund Perlen, aus kostbaren Gewändern, die in den kaiserlichenFabriken gewebt waren, und aus gut gestählten und geschmücktenWaffen. Dann aus gemünztem Gold, zumal, wenn es durchGröße oder Gepräge merkwürdig war; endlich aus Goldbarren,welche in die römische Form von Stäben, in die deutsche vonBirnen und Keilen gegossen wurden. Auch der König bewahrteverarbeitetes Edelmetall lieber als das runde Geld, und schonin der Wanderzeit wurde auf eine Arbeit, welche für zierlichgalt, und auf kostbare Steine, welche eingefügt waren, hoherWert gelegt. Außerdem suchte man die Pracht in Amfangund Schwere der einzelnen Stücke. Sie wurden in riesigerGröße verfertigt, zumal silberne Becken, und mußten durchMaschinen auf die Tafel gehoben werden. Solche Kostbarkeitenerwarb ein Fürst durch Geschenke, welche bei jeder Staats-aktion, bei Besuchen, Gesandtschaften, Friedensverträgen gegebenund empfangen wurden, am liebsten durch Tribut, den ihm dieRömer bezahlten, und der nicht niedrig war 300, 700 PfundGold jährlich, endlich durch Raub und Beute, durch dieAbgaben der Unterworfenen und die Einnahmen von seinenGütern. Auch das geprägte Metall, welches in den neu-