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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Drittes Kapitel: Die Gier nach Gold und Geld

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gegründeten Germanenreichen zum Schatze floß, wurde oft ver-arbeitet. Gern rühmte sich der Besitzer seiner Prachtstücke undder Größe seiner Geldkisten.

Nicht nur die Könige und Häuptlinge sorgten um einenSchatz; wer nur konnte, sammelte den Kort. Den Prinzenwurde sogleich nach der Geburt ein eigener kleiner Schatz an-gelegt. Als der zweijährige Sohn der Fredegunde im Jahre 584starb, befrachtete sein Schatz von seidenen Kleidern und Schmuckaus Gold und Silber vier Karren. Ebenso wurden Königs-töchter bei der Vermählung mit Schatzstücken und Geschmeideausgestattet, und ihnen begegnete wohl, daß sie auf der Braut-reise um ihrer Schätze willen angefallen wurden. Der Schatzfür sie wurde auch aus sogenannten freiwilligen Gaben derLandesgenossen gesammelt und von harten Königen dabei argeBedrückung geübt. Als die fränkische Njgunthe im Jahre584 zu den Westgoten nach Spanien gesandt wurde, füllte ihrSchatz fünfzig Frachtwagen. Jeder Herzog und andere Beamtedes Königs sammelten in gleicher Weise. Argwöhnisch wurdevon dem Oberherrn der Schatz des Beamten betrachtet, häufigdiente der Sammler als Schwamm, welcher vollgesogen aus-gepreßt wurde bis auf den letzten Tropfen, und der Anglücklichekonnte zufrieden sein, wenn er nicht bei der Entleerung seinerKasten auch das Leben verlor. Es war gütig von dem Lango-bardenkönig Agilulf , daß er sich begnügte, dem aufsässigenHerzog Gaidulf seinen Schatz zu nehmen, den dieser auf einerInsel des Comersees verborgen hatte, und daß er den Empörerwieder zu Gnaden empfing,weil ihm die Kraft, zu schaden, ge-nommen war". Gelang dem Herrn nicht, den Schatz des Be-amten zu rechter Zeit einzuziehen, so hatte er vielleicht um dieHerrschaft mit ihm zu kämpfen.

Ebenso trugen Kirchen und Klöster zu Kauf, ihre Einnahmenund Geschenke legten sie an in Kelchen, Schüsseln, Evangelien-

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