Z4 Erster Abschnitt: Der Anrernehmungsgeist
behältnissen, die mit Gold und Edelsteinen verziert waren. Kamein Bischof in kriegerisches Gedränge, so nahm er einengoldenen Kelch aus dem Kirchenschatz, ließ Geld daraus prägenund löste dadurch sich und die Seinen. Denn der Schatz einesHeiligen wurde auch von ruchlosen Plünderern mit Scheu be-trachtet, weil der Eigentümer den Räubern durch seine Klagenim Kimmel sehr schaden konnte. Doch nicht immer vermochteein weitgefürchteter Heiliger die Äabgier abzuhalten" usw.
Der Wert des Äortes liegt in seiner Größe: damit istalso schon eine erste Quantitätsbewertung neben die ursprünglichreine Qualitätswertung getreten. And zwar wird die Größenoch als eine sinnlich wahrnehmbare, meß- und wägbare emp-funden und vorgestellt. Diese sinnliche Bewertung des Schatzesreicht noch weit in die geldwirtschaftliche Epoche hinein. Bisins hohe Mittelalter hinauf begegnen wir bei den europäischenVölkern dieser (übrigens in dem Altertum schon sehr verbreitetenund heute noch in den primitiven Kulturen nicht verschwundenen)Liebe zur Schatzbildung, die oft die Liebe zum Gelde über-wuchert.
So belehren uns die Äacksilberschätze aus Osteuropa ausdem 10. und 11. Jahrhundert, die sich von Schlesien bis zurOstsee verstreut finden (Massen zerhackter Silberklumpen undzerschnittener Münzen), daß man nicht die geprägten Münzen,sondern das Metall als solches schätzte und bewahrte^).
Am dieselbe Zeit finden wir in Deutschland ^), in Frank-reich ^) und selbst in Italien ") die Schatzkammern der Reichenmit goldenen und silbernen Gefäßen angefüllt, deren Besitzaußerhalb aller Geldeigenschaft als solche gewertet wurde.
In einigen Ländern, wie Spanien , dauert die Sitte derSchatzbildung bis in die Jahrhunderte der neueren Geschichtefort. Als der Kerzog von Frias starb, hinterließ er drei Töchterund 600000 Scudi Bargeld. Dieser Betrag wurde in Kisten