Drittes Kapitel: Die Gier nach Gold und Geld
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getan mit den Namen der Töchter: die älteste war sieben Jahrealt. Die Vormünder bekamen die Schlüssel und öffneten dieTruhen nur, um das Geld den Ehemännern auszuzahlen. Vorallem aber stopfte man noch im 16. und 17. Jahrhundert inSpanien sein Äaus mit Gold- und Silbergeräten voll. BeimTode des Herzogs von Albuquerque brauchte man sechs Wochen,um seine goldenen und silbernen Geräte zu wägen und auf-zuschreiben; er hatte u. a. 1400 Dutzend Teller, 50 große, 700kleine Platten, 40 silberne Leitern, um damit auf die Büfettszu steigen. Der Äerzog Alba, der nicht als besonders reichgalt, hinterließ doch 600 Dutzend silberne Teller, 800 silbernePlatten usw. ^). Die Neigung zur „Fortbildung" war imdamaligen Spanien so stark, daß Philipp III. im Jahre 1600eine Verordnung erließ, die befahl, daß alles Gold- und Silber-gerät des Landes eingeliefert und zu Münzen geschlagen werdensollte").
Aber eine solche Seelenstimmung, wie sie die reichen Spaniernoch im 16. Jahrhundert erfüllte, war ein Anachronismus : dieallgemeine Entwicklung des europäischen Geistes war schonlängst über die Periode der Fortbildung hinausgeschritten, dieetwa im 12. Jahrhundert ihr Ende erreicht. Seit jener Zeitverschiebt sich das Interesse an der Form des Edelmetalls,wenn auch dessen Besitz noch immer und mehr denn je erstrebtwird. Aber man wertet jetzt nicht mehr die wägbaren Äaufenvon Gold und Silber, gleichviel in welcher Gestalt: man hatangefangen, das Geld, also das Edelmetall in der gemeinstenForm, in der es allgemeines Warenäquivalent, Tausch- undZahlungsmittel ist, höher als alles zu bewerten.
Die Goldgier wird von der Geld sucht abgelöst, für diewir nunmehr einige Zeugnisse beizubringen haben.
Es scheint fast, als ob (außer unter den Juden) die „Ge-winnsucht" — wie von nun ab der Ausdruck lautet: die lucn
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