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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist
rabies — am frühesten in Klerikerkreisen eingenistet hätte.Jedenfalls haben wir aus ganz früher Zeit Kunde vonPriestern, deren „schimpfliche Gewinnsucht" getadelt wird: schonim 9. Jahrhundert begegnen wir auf den Konzilen den Klagenüber den Wucher der Priester^). Bekannt ist ja, welche Rolledann während des Äochmittelalters das Geld bei den Be-setzungen der Priesterstellen spielt. Ein so ruhiger Beobachterwie L. B. Alberti will für seine Zeit als eine in demPriesterstand ganz allgemeine Erscheinung die Geldgier an-gesehen wissen. Er sagt einmal von Papst Johann XXII. : „Erhatte Fehler und vor allem jenen, der fast in allen Priesternbekanntermaßen sich wieder findet: er war im höchsten Gradegeldgierig, so daß jedes Ding in seiner Nähe käuflich war"^).
Aber als Alberti diese Worte schreibt, war die Geldsuchtlängst nicht mehr (falls sie das überhaupt je gewesen ist) einPrivileg des Klerus und der Juden. Vielmehr waren seit ge-raumer Zeit weite, um nicht zu sagen alle Kreise der Be-völkerung von ihr befallen.
Es scheint (ich sage wieder: es scheint, denn bei derartigenStimmungen wie der hier betrachteten lassen sich natürlich keineexakten Nachweise für ihren Eintritt in die Geschichte erbringen):es scheint, als ob den großen Wendepunkt auch hier das drei-zehnte Jahrhundert, wenigstens für die fortgeschrittenen LänderDeutschland, Frankreich, Italien bedeute. Jedenfalls häufen sichin diesem Jahrhundert, namentlich in Deutschland , die Klagenüber die zunehmende Gewinnsucht:
„Auf Minne nur und auf Gewinn
Steht der ganzen Welt der Sinn;
Noch süßer sind Gewinne
Den meisten doch als Minne.
Wie lieb auch seien Weib und Kind,
Gewinne noch viel lieber sind.