Drittes Kapitel: Die Gier nach Gold und Geld
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Des Mannes SinnenIst zu gewinnen."
So singt in unzähligen Wiederholungen Fr ei dank. Andauch durch Walter von der Vogelweide klingt ein ähnlicherTon an vielen Stellen durch Noch viel kräftigere Worte findennatürlich die Moralprediger der Zeit, wie der Verfasser einesGedichtes der Liederhandschrift von Benediktbeuren^) oderder Volksredner Berthold von Regensburg ^).
Am dieselbe Zeit schleudert Dante seine Bannsprüchegegen die Gewinnsucht des Adels und der Bürger in denitalienischen Städten, die während des Trecento zweifellos bereitsvon einem intensiven Gewinnfieber befallen waren. „All zu sehrsind sie auf Geldgewinn bedacht, so daß man von ihnen fastsagen kann: es brennt ein ewiges Verlangen nach Besitzwie ein Feuer in ihnen", heißt es in der „Beschreibung vonFlorenz " aus dem Jahre 1339^.
„Das Geld ", ruft aber um dieselbe Zeit Beato Domi-nici^ aus, „ist sehr geliebt von Großen und Kleinen, vonGeistlichen und Weltlichen, von Armen und Reichen, vonMönchen und Prälaten: alles ist dem Geld Untertan: pecuniaeobeäiunt omnis. Dieser verwünschte Äunger nach dem Goldeführt die vernarrten Seelen zu allem Äbel; er blendet den Ver-stand, löscht das Gewissen aus, trübt das Gedächtnis, mißleitetden Willen, kennt keinen Freund, liebt keinen Verwandten, fürchtetnicht Gott und hat vor den Menschen keine Scham mehr."
Wie etwa in Florenz schon im 14. Jahrhundert ein ganz undgar mammonistischer Zug herrschte, ersehen wir aus Schilderungenund Betrachtungen, wie sie uns in den FamilienbüchernL. B. Albertis aufbewahrt sind. Äier wird der Reichtumals unentbehrliches Kulturgut an jeder Stelle gepriesen, undan jeder Stelle wird die Erwerbssucht als die allgemeine undganz selbstverständliche Seelenstimmung der Bevölkerung an-