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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

erkannt:alle sind nur auf Gewinn und Reichtum bedacht";jeder Gedanke beschäftigt sich mit dem Erwerb";die Reich-tümer, für die fast jeder sich vor allem müht" usw. Ach teilein den Quellenbelegen einige besonders charakteristische Stellenaus Albertis I-ibri cielw tami^Im mit^).Z

Wir kennen dann zahlreiche Äußerungen aus der Zeit des15. und 16. Jahrhunderts, die uns bezeugen, daß das Geldüberall in Westeuropa begonnen hatte, seine Äerrscherstellungeinzunehmen. ?ecunise obeciiunt omnia, klagt Erasmus;-(Zeit ist suir ercien cler irciiscli Avtt«, verkündet Äans Sachs;beklagenswert nennt Wimpheling seine Zeit, in welcher dasGeld zu regieren angefangen. Colon aber feiert in einem bekanntenBriefe an die Königin Isabella die Vorzüge des Geldes mitberedten Worten also: »HI oro es excellentissimo, con e! seImce iesoro ^ con ei tesoro quien lo tiene, riace cusntoquiere en ei munäo x que ecria Iss snimss al paraiso«^^).

Die Symptome, aus denen wir auf immer raschere Zunahmeder Geldsucht, auf eine Vermammonisierung des ganzen Lebens-zuschnitts schließen dürfen, mehren sich: die Ämter werden käuf-lich; der Adel verschwägert sich mit der reich gewordenen Crapule;die Staaten richten ihre Politik auf Vermehrung des barenGeldes aus (Merkantilismus I), die Praktiken zur Geldbeschaffung,wie im nächsten Kapitel zu zeigen sein wird, nehmen an Mengeund Raffiniertheit zu.

Im 17. Jahrhundert, das wir uns gern in einem ernsten,düsteren Lichte vorstellen, läßt die Geldsucht nicht nach. ImGegenteil: in einzelnen Kreisen scheint sie noch stärker zu werden.Wir stoßen auf manche bewegliche Klage: in Italien ^), inDeutschland 2°), in Holland . Kier erschien gegen Ende des17. Jahrhunderts ein höchst kurioses Büchlein (das denn auch baldvon einem Kamburger ins Deutsche übertragen wurde), das trotz(oder gerade wegen) seiner satirischen Färbung ein ausgezeich-