Drittes Kapitel: Die Gier nach Gold und Geld
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netes Bild von der schon damals der Geldanbetung völlig ver-fallenen Gesellschaft entwirft. Da ich noch nirgends diese wichtigeQuelle verwertet gefunden habe, will ich einiges aus dem höchstkurzweiligen (wenn auch sehr langatmigen) und seltenen Traktatemitteilen, der den Titel führt: Das Lob der Geld-Sucht. Satyre.Aus dem Holländischen des Äerrn von Deckers. Bei BenjaminSchillen in Kamburg und Fr. Groschuff in Leipzig zu finden.Im Jahre 1703. Das Büchlein trägt das Motto: ... (Zuiciri6e8? /Vlutato nomine 6e te iabula ngi-ratur. ...
Der Verfasser ist ein offenbar welt- und menschenkundigerMann mit freiem Blick für die Schwächen seiner Zeit. Ichmöchte seine Schrift fast ein Pendant zu Mandevilles Bienen-fabel nennen, obwohl sie dessen scharf geschliffenen Witz durchbehaglich holländisch-niederdeutsche Breite ersetzt. (Übrigensist mir nur die deutsche Übersetzung bekannt: möglich ist auch,daß diese fingiert ist, und daß es gar kein holländisches Originalgibt, obwohl der Verfasser an verschiedenen Stellen den angeb-lich holländischen Text zitiert.) Es ist ein Gedicht in dem be-liebten Versmaße der Zeit von 4113 (I) Zeilen Amfang, vondenen folgende Proben hier Platz finden mögen:
Die Geldsucht spricht:
„Ich muß mich von dem Joch der Lästerer befreyen.Daß ich kein Brunnquell sey von allen Schelmercyen,Kein Born des Angemachs noch eines Buben-StücksBesondern gegentheils die Wurtzel Eures Glücks,Der Grundstein aller Lust, die Quelle hoher Ehre,Der Künste Angelstern, der Jugend beste Röhre,Ja, was noch höher klingt, die öberste GöttinAnd in der großen Welt die höchste Königin."
(V. 23—31.)
Sie stellt dann ihre Eltern vor: Frau Überfluß ist ihreMutter; die (I) Vorsicht der Vater.