Viertes Kapitel: Allerhand Mittel zur Geldbeschaffung
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Diese überreiche Erfindungsgabe, die wir übrigens in allenSchichten der Bevölkerung verbreitet finden, beschränkt sich nunkeineswegs auf technische Probleme. Sie griff vielmehr hinüberauf das Gebiet der Wirtschaft und auf andere Kulturgebieteund förderte ungezählte Reform- und Amgestaltungsgedankenzutage, die sich mit Vorliebe auf die Staatsfinanzen bezogen,aber auch das private Wirtschaftsleben betrafen. Was aberunser ganz besonderes Interesse an dieser Stelle wachruft, istdieses: daß Jahrhunderte hindurch eine Menge solcher erfindungs-reicher Leute ein Gewerbe aus ihrer Erfinderei machten, indemsie andern ihre mehr oder weniger verwertbaren Gedanken undIdeen gegen ein entsprechendes Entgelt zur Verfügung stellten.Es gab geradezu einen Beruf, eine „Zunft" der Projektenmacher,deren Aufgabe also darin bestand, Fürsten , Große, Reiche imLande für ihre Pläne zu gewinnen, sie zu ihrer Ausführungzu bewegen. Überall, wo einflußreiche Personen sind: an denÄöfen, bei den Parlamenten begegnen wir solchen Projekten-machern; aber auch auf der Straße, auf dem Markte stehensie und halten ihre Ideen feil. Da dieses Phänomen der berufs-mäßigen Projektenmacherei außerordentlich wichtig und dochbisher, soviel ich sehe, von keinem Wirtschaftshistoriker im Zu-sammenhange behandelt worden ist, so will ich einige Einzel-heiten über die Verbreitung und die Eigenart dieser seltsamenMenschengattung, die man schon zu ihrer Zeit „Projektanten"nannte, hier mitteilen.
Schon im 16. Jahrhundert tauchen solche Projektanten auf:wir begegnen ihnen damals an den Äöfen der spanischen Könige. Von einem von ihnen berichtet uns Ranke wiefolgt:
„Noch gab es eigentlich keine Wissenschaft der Staats-wirtschaft; es fehlen selbst die Kenntnisse, die Fertigkeiten, welcheeine umfassende Verwaltung der Finanzen erfordert: es taten