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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Viertes Kapitel: Allerhand Mittel zur Geldbeschaffung 59

stoße man auf schwärmerische Ideen. Dieses Generalwortwesensei an allen Lehrschulen bekannt und verdiene keine Aufmerksam-keit; dem Staate sei nicht mit Worten und Ideen geholfen,sondern Realitäten seien ihm nötig.

Soll ich zum Schlüsse noch an Cagliostro erinnern, umallgemein bekannte Vorstellungen zu Äilfe zu rufen, damit mandas Wesen jener Projektanten besser begreife? In Cagliostro verflüchtigt sich dieses Wesen freilich zum reinen Abenteurertumund Schwindlertum. Aber der Kern ist doch auch bei diesemseltsamen Menschen, den wir auf der ganzen Welt, in allenHauptstädten der Erde, an allen Äöfen Europas antreffen, derKern ist doch der Goldmacher und Projektant, der vor allemmit Lnlfe der Frauen, denen in diesem Zusammenhang eine be-deutsame Rolle zugedacht ist die Großen und Mächtigenmit kühnen, unerhörten Ideen erfüllen will und danebenLebenstinkturen, Llniversalessenzen und Schönheitswasser ver-kauft.

Welche Stellung den Projektenmachern in der Genesis deskapitalistischen Geistes zukommt, liegt ziemlich deutlich zutage:sie sind die Stammväter der Laws, der Pereire, der Lesseps,der Strousbergs, der Saccards, aber auch der Tausend undAbertausend kleinenGründer"seelen, mit denen unsere Zeit er-füllt ist. Was ihnen noch fehlte, und was sie zum Teil schon(wie wir an einzelnen Punkten bemerken konnten) selbst zuschaffen suchten, das war der Tätigkeitskreis selbst: die Unter-nehmung. Sie standen noch draußen, sie waren selbst noch nichtGeschäftsleute, waren selbst noch keine Anternehmer. Die Ideen,die berufen sein sollten, kapitalistisches Wesen zu erzeugen,schwebten gleichsam noch wie leblose Schatten umher und harrtender Stunde ihrer Geburt. Diese konnte erst kommen, nachdemsich die Idee der Unternehmung mit ihnen verbunden hatte, wiedas später ausführlich darzustellen sein wird.