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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Viertes Kapitel: Allerhand Mittel zur Geldbeschaffung 61

Geldleihe schon ganz dicht an die kapitalistische Unternehmung,die sie fast aus sich heraus erzeugt. Es entsteht so aus ihrdie Verlagsunternehmung, in der, wie wir sehen werden, einganz eigentümlicher Geist zur Entfaltung kommt.

Nicht minder hat die Spielwut bei der Entstehung deskapitalistischen Geistes erheblich mitgewirkt. Freilich dasWürfel-und Kartenspiel lenkte eher von der Bahn ab, auf der dieserzur Entfaltung gekommen ist. Auch das seit Ende des 17. Jahr-hunderts rasch in Aufnahme kommende Lotteriespiel") förderteseine Ausbildung kaum. Wohl aber bildete ein wichtiges Gliedin seiner Entwicklung das Börsenspiel, das im 17. Jahrhundertseine erste Blütezeit erlebt, um dann im Anfang des 18. Jahr-hunderts zu voller Entfaltung zu kommen. Nicht als sei dasBörsenspiel in irgendwelchem Sinne selbst eine Betätigungkapitalistischen Geistes, wie man wohl geglaubt hat. Es hatmit der eigentlichen wirtschaftlichen Tätigkeit so wenig etwas zutun wie das Karten- oder das Lotteriespiel. Es hat aber ausAmwegen, wie wir sehen werden, Einfluß auf die Ausbildungdes kapitalistischen Geistes gehabt.

Es wird nötig sein, daß wir uns einige Kenntnisse von deneigentümlichen psychischen Vorgängen verschaffen, die wir beimBörsenspiel beobachten, und zu diesem Behufe schildere ichkurz ^) die Tulpenmanie in den Niederlanden , weil sie inklassischer Reinheit schon alle Züge aufweist, die in allenspäteren Schwindelperioden nur in vergrößertem Maßstabewiederkehren.

Im Jahre 1554 hatte der Naturforscher Busbeck die Tulpevon Adrianopel aus nach dem abendländischen Europa gebracht.In den Niederlanden , wo sie sich ebenfalls eingebürgert hatte,entstand in den 1630 er Iahren zu der neuen Pflanze (aus un-bekannten Arsachen) plötzlich eine leidenschaftliche Liebe. Jeder-mann suchte sich in den Besitz von Tulpenzwiebeln zu setzen.