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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

Bald aber nicht mehr, um sie zu besitzen, sondern um durchvorteilhaften Verkauf sich an ihr zu bereichern. Das botAnlaß zu einem wohlorganisierten Börsenhandel, an dem baldalle Kreise der Bevölkerung teilnahmen. In einer alten Schrift(cle opkomst en onäerAgnA van flora, Amsterdam 1643) heißtes: Edelleute, Kaufleute, Handwerker, Schiffer, Bauern, Torf-träger, Schornsteinfeger, Knechte, Mägde, Trödelweiber, alleswar von der gleichen Sucht befallen. In allen Städten warenWirtshäuser gewählt, welche die Börse vertraten, wo Vor-nehme und Geringe um Blumen handelten. Im Jahre 1634waren (nach IohnFrancis) die Hauptstädte der Niederlande in einen Schacher verwickelt, der den soliden Handel ruinierte,indem er das Spiel aufmunterte, der die Lüsternheit des Reichenwie die Begierde des Armen verlockte, der den Preis einerBlume höher als ihr Gewicht in Gold steigerte, und derendigte, wie alle solche Perioden geendigt haben, in Elend undwilder Verzweiflung. Viele wurden zugrunde gerichtet undwenige bereichert; und Tulpen waren 1634 so eifrig gesuchtwie 1844 Eisenbahnaktien. Die Spekulation wurde bereitsdamals nach ähnlichen Prinzipien geleitet. Geschäfte wurdenabgeschlossen auf die Lieferung gewisser Tulpenzwiebeln, undwenn, wie ein Fall vorkam, nur zwei Stück auf dem Marktewaren, so wurden Herrschaft und Land, Pferde, Ochsen, Habund Gut verkauft, um die Differenz zu zahlen. Kontraktewurden abgeschlossen und Tausende von Gulden für Tulpenbezahlt, welche weder die Makler, noch Käufer oder Verkäufergesehen hatten. Für einige Zeit gewannen, wie gewöhnlich insolchen Perioden, alle und keiner verlor. Arme Personenwurden reich. Hoch und niedrig handelte in Blumen. DieNotare bereicherten sich; und selbst der nüchterne Holländerträumte ein dauerhaftes Glück vor sich zu sehen. Leute derverschiedensten Berufe versilberten ihr Eigentum. Häuser und