Viertes Kapitel: Allerhand Mittel zur Geldbeschaffung 63
Gerätschaften wurden zu Schleuderpreisen ausgeboten. DasLand gab sich der trügerischen .Hoffnung hin, daß die Leiden-schaft für Tulpen immer andauern könnte; und als man erfuhr,daß auch das Ausland von dem Fieber ergriffen wurde, soglaubte man, daß der Reichtum der Welt sich an den Aferndes Zuydersees konzentrieren und daß die Armut in Zukunftzur Sage in Holland werden würde. Daß man ernsthaftdiesen Glauben hegte, beweisen die Preise, die bezahlt wurden:Güter im Werte von 2500 fl. wurden für das Exemplareiner Spezies gegeben; für eine andere Spezies wurden2000 fl. geboten, für eine dritte ein neuer Wagen, zwei Schimmelsamt Geschirr bezahlt. Vierhundert Aß ('/2v ^) von der Tulpen-zwiebel, genannt Admiral Liefken, kosteten 4400 fl.; 446 Aßvom Admiral von der Eyck 1620 fl.; 1600 Aß Schilder 1615 fl.;410 Aß Viceroy 3000 fl.; 200 Aß Semper Augustus 5500 fl. usw.Die Stadtregister von Alkmar bezeugen, daß 1d37 hundert-undzwanzig Tulpenzwiebeln zum Nutzen des Waisenhausesöffentlich für 90000 fl. verkauft worden sind. Während einpaar Iahren wurden in einer einzigen Stadt von Äolland fürmehr als 10 Millionen fl. Tulpen umgesetzt.
Im Jahre 1637 trat der plötzliche Amschwung ein. DasVertrauen verschwand; Kontrakte wurden gebrochen; Pfän-dungen waren an der Tagesordnung. „Die Träume von un-ermeßlichem Reichtum waren verschwunden, und diejenigen, diesich eine Woche vorher noch des Besitzes von ein paar Tulpenerfreut hatten, deren Realisierung ihnen ein fürstliches Ver-mögen eingebracht haben würde, blickten traurig und verblüfftauf die erbärmlichen Knollen hin, die vor ihnen lagen und,wertlos in sich selbst, zu keinem Preise mehr zu verkaufen waren."
Die Tulpenmanie in Holland ist ganz besonders lehrreich.Nicht nur weil sie der erste dieser Spekulationsschwindel größerenStils ist; sondern auch wegen des Gegenstandes, auf den sich