64 Erster Abschnitt: Der Anrernehmungsgeist
die Spielwut bezog. Später wurde zum Gegenstande der Regelnach die Aktie. So vor allem bald nach jener Zeit in denbeiden größten Spekulationsfiebern, die die Menschheit bisherüberhaupt durchlebt hat: bei der Gründung der Lawschen Bankin Frankreich und der Südsee-Gesellschaft in England (1719bis 1721). Will man sich aber vergegenwärtigen, um was essich bei derartigen Spielepidemien handelt, so muß man geradevon der Beziehung auf die Aktie absehen.
Die Aktie begründet ja ein Anrecht auf einen Anteil an demErtrage eines Unternehmens. And es könnte leicht den Anscheinerwecken, als sei es der aus diesem Anternehmen erhoffte Ge-winn, der die Preise in die Äöhe treibt. Dieser ist aber dochnur ein äußerer Anstoß mehr, sein Interesse dem Papiere zu-zuwenden, während die eigentliche Stoßkraft von dem schließlichganz instinktiv wirkenden Spieltriebe ausgeht. Die geringsteÜberlegung würde in den Zeiten der Äausse-Bewegung lehren,daß die Preise der Aktien in gar keinem Verhältnis mehr zueinem noch so phantastischen Gewinne stehen. Beispiel:
Am 30. Septeniber 1719 wurde eine statutenmäßige General-versammlung der Lawschen Bank abgehalten. Man hattefrüher eine Dividende von 12°/o vom Nominalkapital ver-sprochen. Das hätte bei dem damaligen Stand der Aktien nur!/2 °/o auf das effektive Kapital ergeben. Law mußte natürlichbefürchten, daß das Bekanntwerden dieser Ziffern seinen ganzenBau zu Fall bringen könnte. Er versprach deshalb 40 °/o(die schon ganz imaginär waren). Aber auch diese 40 °/o hättendas effektive Kapital nur mit 1^ s«/o verzinst!
And was war die Folge dieser Festsetzungen und Fest-stellungen ? Etwa eine Ernüchterung des Publikums? Keines-wegs. Gerade nach dieser Generalversammlung begann derKurs der Aktien erst recht zu steigen und erreichte acht Tagenachher seinen höchsten Stand von 18000.