Viertes Kapitel: Allerhand Mittel zur Geldbeschaffung
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Nein. Wir haben es in solchen Vorgängen mit einerdeutlichen Massenpsychose zu tun: die Menschen werden plötzlichvon einem Fieber, einem Rausch, einer Sucht ergriffen, diealle vernünftige Überlegung ausschließt. Durch gegenseitigeSuggestion wird irgendein beliebiger Gegenstand (wie es ebenin klassischer Form die Tulpe aufweist) mit übertriebenen Wert-vorstellungen umhüllt und damit geeignet gemacht, im Preisegetrieben zu werden. Diese Preissteigerung ist dann daseigentliche Reizmittel, das die Spielleidenschaft auslöst. Diesewird dann so mächtig, daß sie schließlich den ursprünglichenAntrieb, das Ganze in Szene zu setzen, nämlich die Gewinn-sucht, an Stärke übertrifft und allein noch die Gemüter in Be-wegung erhält.
An und für sich hat also das Börsenspiel oder richtiger:hat die an der Börse (oder in börsenmäßiger Form) sich be-wegende Spielwut, mag sie sich in solchen stürmischen Preis-treibereien äußern, wie sie mit der Äaufse eines Favoriten vonZeit zu Zeit elementar in die Erscheinung tritt, mag sie sich instille Alltagsspielchen einkleiden, mit der Herausbildung deskapitalistischen Geistes so wenig zu tun, oder stellt sie so wenigeine Emanation dieses Geistes dar, wie irgendeine verschwiegenePoker- oder Bakkarat-Partie am grünen Tische. Das Wirt-schaftsleben, das doch vom kapitalistischen Geiste beseelt werdensoll, stirbt unter dem Einwirken solcher Spielwut im Gegenteilab. Es ist eine allgemein festgestellte Tatsache, daß namentlichin früherer Zeit, gerade in den großen Spielperioden des 17. und18. Jahrhunderts Handel und Wandel Schaden litten, weil dieTräger des Wirtschaftslebens, statt sich um ihre Geschäfte zukümmern, in den Kneipen saßen, um über das Schicksal derSpielobjekte sich zu unterhalten oder Abschlüsse in den begehrtenAktien zu machen.
Was diese eigenartigen Äußerungen des Gewinnstrebens