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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

Tauschhandel" sprechen, wenn anders man Anpreisungen inWort und Bild als stumme bezeichnen will.

Immer handelt es sich darum, Käufer (oder Verkäufer) vonder Vorteilhaftigkeit des Vertragsabschlusses zu überzeugen.Das Ideal des Verkäufers ist dann erreicht, wenn die ganzeBevölkerung nichts mehr für wichtiger erachtet als den von ihmgerade angepriesenen Artikel einzukaufen. Wenn sich derMenschenmassen eine Panik bemächtigt, nicht rechtzeitig mehrzum Erwerb zu kommen (wie es der Fall ist in Zeiten fieber-hafter Erregung auf dem Effektenmarkte).

Großen Absatz haben heißt: daß die Interessen, die einGeschäftsmann erregt und sich dienstbar macht, entweder sehrstarke oder sehr allgemeine sein müssen.Wer eine Millionumzusetzen wünscht, muß tausend Menschen zu dem schwerenEntschluß zwingen, je tausend Mark bei ihm gegen Ware ein-zutauschen, oder er muß seinen Einfluß so stark über die Mengeverbreiten, daß hunderttausend Menschen sich gedrängt fühlen,mit ihm um zehn Mark zu handeln. Freiwillig besser: ausfreien Stücken (W. S.) suchen ihn weder die Tausend nochdie Hunderttausend auf, denn sie alle empfinden längst andereBedürfnisse der Anschaffung, die zurückgedrängt werden müssen(?),wenn der neue Geschäftsmann reüssieren soll." (W. Nathenau.)

Interesse erregen, Vertrauen erwerben, die Kauflust wecken:in dieser Klimax stellt sich die Wirksamkeit des glücklichen Händ-lers dar. Womit das erreicht wird, bleibt sich gleich. Genug,daß es keine äußeren, sondern nur innere Zwangsmittel sind,daß der Gegenpart nicht wider Willen, sondern aus eigenemEntschlüsse den Pakt eingeht. Suggestion muß die Wirkungdes Händlers sein. Der inneren Zwangsmittel aber gibt esviele.

Eines der wirksamsten besteht in der Erweckung der Vor-stellung, daß der sofortige Abschluß des Geschäftes besondere