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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist
Arbeit": die abhängigen Bauern wurden entweder zu Dienstenoder zu Abgaben verpflichtet. And so kam es, daß sich derWirtschaftsorganismus als ein buntes Mosaik der verschiedenstenBeziehungen zwischen Wirtschaftsleiter und Arbeiterschaft dar-stellte. Aber alle diese Einzelheiten spielen für uns keine Rolle.Das Wichtige bleibt, daß in den Grundherrschaften in plan-voller Weise eine große Masse von Menschen zu regelmäßigerArbeit an einem gemeinsamen Werke, entsprechend dem Willeneines obersten Leiters, zusammengefaßt waren; daß also, reinäußerlich betrachtet, hier eine kunstvolle Organisation im Laufeder Jahrhunderte ausgebildet worden war, die jeden Augenblickzu anderen Zwecken als dem der Bedarfsdeckung verwertetwerden konnte (und wie wir sehen werden, verwertet wurde); inder aber auch ihrer Eigenart entsprechend ein ganz bestimmterGeist lebte, der an der Herausbildung des kapitalistischen Geistesgroßen Anteil gehabt hat. Die Hauptsache also einstweilen istdiese: auch in den Grundherrschaften waren Unternehmungen, oftgenug großen Stils, in eine sonst unternehmungslose Welthineingesetzt worden: ein Keim der Auflösung alter, vorkapita-listischer Verhältnisse.
3. Der Staat
Der moderne Staat ist eine Kriegs-- und eine Friedensunter-nehmung in einem. Nicht jeder Staat, wohl aber der Staat, deram Ende des Mittelalters zu entstehen beginnt. Dessen Anter-nehmungscharakter erkennen wir leicht, wenn wir uns mit demGeist vertraut machen, aus dem er geboren ist. Wir könnendann etwa folgendes feststellen.
Das Sachphänomen dieses Staates, also des Fürstenstaatesoder absoluten Staates, beruht in der Tatsache, daß eine großeAnzahl Menschen — eine große Anzahl: das heißt, zunächstmehr als in einer Stadtgemeinde oder auch in einer „Landschaft"