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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist
räuberei in den griechischen Gewässern legten. Der schlechteZustand, in welchem sich die byzantinische Marine befand, er--laubte ihnen, dieses Geschäft in großartigem Maßstabe zu be-treiben"
Meist traten die Freibeuterschiffe in Rudeln auf, wie z. B.die Flotille von fünf pisanischen Schiffen, die bei Abydos imJahre 1194 räuberte.
In den ersten Jahrhunderten der neuen Zeit huldigtenwiederum alle westeuropäischen Nationen einer berufsmäßigorganisierten Seeräuberei. Befördert wurde diese durch dieewigen Kriege, die namentlich das 16. und 17. Jahrhunderterfüllten, und in denen die Kaperei nach damals geltendemSeerechte eine hervorragende Rolle spielte. Kaperei und See-räuberei gehen nun aber fortwährend ineinander über: derprivateer wird zum pirate, wie dieser wiederum im Dienste desStaates als Kaperführer Verwendung findet. Aus Frank-reich hören wir, daß im 16. Jahrhundert „der kleine Provinz-adel <Ii, vor allem der protestantische, nicht aufhörte, aus seinenReihen jene Armee unerschrockener Korsaren zu rekrutieren, dievon Fall zu Fall am spanischen und portugiesischen Handel fürdie Metzeleien von Fort Coligny und La Caroline Racheübten"Die französische Seeräuberei hatte im 17. Jahr-hundert einen hohen Grad der Entwicklung erreicht. Wir sindüber ihren Stand und ihre Ausdehnung deshalb besonders gutunterrichtet, weil wir zwei verschiedene Berichte^) besitzen, diesich Colbert, weil er den Plan faßte, die Seeräuber Dünkirchens zu einem Geschwader zu vereinigen und (unter dem Kommandovon Jan Bart » in den Dienst des Königs zu stellen, über diebekanntesten Seeräuber, die „L-lpitaines corssires", erstatten ließ.Die Berichte beziehen sich auf 33 Kapitäne, die 15 Fregattenund 12 lange Barken befehligen.
Ebenfalls ursprünglich französischer Äerkunft waren die be-