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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

hatte, und der die Themse heraufzog als ein Fürst, seine See-leute in Samt und Seide gekleidet, seine Segel von Damast,seinen Mast vergoldet^), und alle die andern. Wer von ihnengenauere Kunde haben will, der mag etwa den dritten Bandvon Äakluyts Reisebeschreibungen durchblättern.

Man wird fragen, wie ich dazu komme, diese Eroberer undRäuber für den Kapitalismus zu reklamieren? Die Antwortist einfach: nicht sowohl, weil sie selbst eine Abart von kapi-talistischen Unternehmern waren, als vielmehr und vor allemdeshalb, weil der Geist, der sie erfüllte, derselbe Geist war, derallen großen Handel, alle Kolonialwirtschaft bis ins 18. Jahr-hundert hinein beseelt hat.

Diese sind ihrem innersten Wesen nach ebenso Abenteurer-und Eroberungszüge wie die Seeräubereien und Entdeckungs-fahrten, von denen wir eben Kunde erhalten haben. Abenteurer,Seeräuber, Kaufmann großen Stils (und das ist er nur, wenner über See fährt) gehen unmerklich ineinander über.

Wenn Benjamin von Tudela von denBürgern" Genuas berichtet"):Jeder (!) hat einen Turm in seinem Kause; brichtKrieg unter ihnen aus, so dienen ihnen die Zinnen der Türmeals Schlachtfeld. Sie beherrschen das Meer; bauen sich Schiffe,Galeeren genannt, und ziehen zum Raube aus in die ent-legensten Ortschaften. Die Beute bringen sie nach Genua ; mitPisa leben sie in ewigem Streit": sind da die Seeräuber oderdie königlichen Kaufleute gemeint? Gewiß beides. Worausbesteht dennder Äandel in der Levante" ? Was füllt denndie beiden dicken Bände der Äeyd schen Darstellung? Kampf-berichte zum allergrößten Teil. Jeder einzelne, der im fremdenLande etwas gelten will, muß ein Krieger sein oder mußKrieger zu seiner Verfügung haben und hinter sich die organi-sierte Macht des Staates"«).

Dasselbe Bild vom Großkaufmann tritt uns entgegen, wenn