Siebentes Kapitel: Die Grundtypen d. kapitalistischen Unternehmertums 95
rücksichtslosen Seeräuber, wie sie namentlich England währenddes 16. Jahrhunderts in reichster Fülle aufweist, sind aus dem-selben Äolz geschnitzt wie die Bandenführer in Italien , wie dieCan Grande, Francesco Sforza, Cesare Borgia , nur daß ihrSinn stärker auf Erwerb von Gut und Geld ausgerichtet ist,daß sie dem kapitalistischen Unternehmer schon näher stehen wiediese.
Männer, in denen sich eine abenteuerliche Phantasie mitgrößter Tatkraft paarte; Männer voller Romantik und dochmit Hellem Blick für die Wirklichkeit; Männer, die heute eineNaubflotte befehligen und morgen ein hohes Amt im Staateverwalten; die heute mit gieriger Äand nach Schätzen grabenund morgen eine Weltgeschichte zu schreiben anfangen; Männermit leidenschaftlicher Lust am Leben, mit starkem Sinn fürPracht und Luxus und doch imstande, monatelang die Ent-behrungen einer Seefahrt ins Angewisse hinein auf sich zunehmen; Männer mit den höchsten Fähigkeiten zur Organi-sation und voll kindischen Aberglaubens. Mit einem Worte:Renaissancemenschen. Das sind die Väter unserer kapitalistischenAnternehmer der einen Linie! Annötig fast, sie bei Namen zunennen. Man kennt sie aus der Geschichte. An der Spitzeden stärksten vielleicht von allen: Sir Walter Raleigh , tneLii-eat kaleiZn^), dessen Wahlspruch für diese ganze Gruppevon Männern gelten kann:
„l'am ^arti qusm /Vtercurio",dem Kriegsgott und dem Mammon gleich ergeben; Sir FrancisDrake , den edlen Piraten (tlie noble?irate), wie ihn Äentzner,der 1598 sein Schiff besichtigte, nannte; Sir Martin Frobischer,„der den Geist eines Seeräubers mit dem eines Gelehrten ver-band"; Sir Richard Grenville , den Helden (tke vsliant), wieJohn Smith ihn in seiner Geschichte von Virginia nennt;Cavendish, der die reichste Beute heimbrachte, die man je erlebt