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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist
amerikanischen Kolonien geworden. Die Berichte überdie Ausdehnung, die hier die Seeräuberei gewann, namentlichim Staate Newyork , würden unglaublich erscheinen, wenn sienicht durch eine Fülle einwandsfreicr Zeugnisse bestätigt würden.Nach dem Zeugnis des Sekretärs von Pennsylvania , JamesLogan, kreuzten z. B. im Jahre 1717 fünfzehnhundert See-räuber an der Küste von Carolina allein, von denen 800 ihrStandquartier in New Providence hatten^'). Im 17. Jahr-hundert gewährte fast jede Kolonie der Seeräuberei in dieseroder jener Form Vorschubs.
Eine Spielart der Seeräuberei waren die Entdeckungs-fahrten, die namentlich seit dem 15. Jahrhundert häufigerwurden. Mochten bei ihnen allerhand ideale Motive mit-sprechen: wissenschaftliche oder religiöse Interessen, Ehrgeiz,Abenteurerlust u. a.: die stärkste (und oft genug einzige I) Trieb-kraft blieb doch immer die Gewinnsucht. Es sind im Grundealles wohlorganisierte Beutezüge, die der Plünderung in denüberseeischen Gebieten galten. Zumal nachdem Columbus seineEntdeckungen gemacht hatte, als er von seinen Fahrten veri-tablen Goldstaub und die Wundermär vom vergoldeten Prinzenheimgebracht hatte, war das Goldland El Dorado das aus-gesprochene oder stillschweigende Ziel aller dieser Ex-peditionen . . .^). Nun verbanden sich das abergläubischeSchatzgräbertum und die abergläubische Goldsucherei mit derabergläubischen Hoffnung auf ein Land, in dem man das Goldmit Scheffeln einheimsen könnte, zu einem unwiderstehlichenEroberungsdrange ^).
Was uns vor allem an dieser Stelle interessiert, sind dieeigenartigen Menschen, die an der Spitze dieser Anternehmungenstanden. Es sind kraftstrotzende, abenteuerlustige, sieggewohnte,brutale, habsüchtige Eroberer ganz großen Kalibers, wie sieseitdem immer mehr verschwunden sind. Diese genialen und