Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

SieventesKapitel: Die Grundtypend, kapitalistischen Unternehmertums Ig9

4. Eine bei den Grundherren besonders beliebte Industrie ist dieGlasindustrie gewesen, die man deshalb so bevorzugte, weil sieeine so vortreffliche Gelegenheit bot, die reichen Äolzbestände zuverwerten.

In Frankreich war die Glasfabrikation geradezu dem Adelvorbehalten; daher die »verriers Aentilsliommeg« ^). Bürgerlichedurften nur auf Grund besonderer Privilegien Glashütten errichtenoder sich an ihrer Errichtung beteiligen. Es ist daher überflüssig,die lange Reihe adliger Glashüttenbcsitzer mit Namen aufzuführen.Die mehrfach genannten Werke enthalten zahlreiche Beispiele.

Daß auch in andern Ländern die Glashütten sehr häufig gründ-herrlichen Ursprungs waren, ist bekannt. Ebenso wie die Glas-fabrikation, wurde hier und da

5. die Porzellanerzeugung von den Grundherren über-nommen. Wie bei dieser Industrie das L>olz, so sollte in anderendas Wasser ausgenutzt werden, weshalb wir häufig

6. die Getreidemühlen und Papiermühlen in grund-herrlichem Betriebe finden.

Oder man gründete eine beliebige Industrie zur Ausnutzungder billigen Brennstoffe, die man auf seinem Besitz hatte,wie Torf usw.

In Summa: an zahlreichen Punkten des europäischenWirtschaftslebens sehen wir den Feudalherrn an dem Aufbaudes Kapitalismus beteiligt, so daß es wohl schon auf Grunddieser Erfahrungen berechtigt ist, ihn als einen besonderen Typusdes frühkapitalistischen Unternehmers zu betrachten und zuwürdigen.

Dieser Eindruck seiner Bedeutung für den Gang der kapita-listischen Entwicklung verstärkt sich noch in unserer Vorstellung,wenn wir uns vergegenwärtigen, daß auch ein beträchtlicher Teildes Kolonialkapitalismus grundherrlich-feudalem Geisteentsprungen ist.

So war die Wirtschaftsverfassung, die die Italiener inihren Levante-Kolonien einführten, dem Feudalsystem