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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

nachgebildet. Größtenteils galt es nur den Herrn zu wechseln:an Stelle des türkischen denfränkischen" Grundherrn zu setzen-Wie Grundherrschaften wurden auch die Städte ausgebeutet,in denen die italienischen Eroberer die einzelnen Gewerbe-treibenden wie Körige unter sich verteilten. Auf unfreier Arbeitruhte das ganze System.

Auch im 16. Jahrhundert gab den Spaniern und Por-tugiesen das Feudalsystem noch die Form her, in der die Be-völkerung Amerikas den ökonomischen Zwecken der Kolonial-unternehmer, die sich völlig als Grundherren in der neuen Weltbetrachteten, ausgeliefert wurde: hier sprach man von Lnco-mienclas und repartiementos, dort von Kapitalien und Les-marias. Selbstverständlich waren auch hier Hörigkeit und späterreine Sklaverei die Formen der Arbeitsverfassung. And die-jenigen, die die Bergwerke und Plantagen besaßen und kapi-talistisch nutzten, waren Feudalherren von echtem Schrot undKorn '2°).

Das gilt aber endlich auch von den ersten Unternehmern,denen die Südstaaten Nordamerikas zur Ausbeutung über-tragen wurden. Wir erinnern uns des Lord Delaware, der derHauptbeteiligte an der Virginia Co. of London (gegründet 1606)war, an Lord Baltimore, denBegründer" von Maryland, dessengewinnsüchtige Absichten heute nicht mehr bezweifelt werden;wir denken an die acht Eigentümer, denen 1663 das Landzwischen Virginia und Florida (Carolina") übertragen wurdeund finden unter diesen den Herzog von Albernarle, den Earlvon Clarendon, Sir William Berkeley und vor allem LordShaftesbury ^"). Alle diese begründeten auf der Unterlage derSklaverei Unternehmungen in durchaus feudalem Sinne. Andwie man weiß, ist dieser halbfeudale Charakter den kapitalistischen Plantagenbesitzern derNegerstaaten" zu eigen geblieben biszum Bürgerkriege. Erst damals siegte der Kaufmanns- und