Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

114 Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

oft allein groß genug, um das Unternehmen überhaupt beginnenzu können. Man denke an die großen Verkehrsunternehmungen,die ja bis ins 19. Jahrhundert hinein nur von der Kapitalkraftdes Staates getragen werden konnten; man denke an Werst-anlagen und Ähnliches.

Ebenso überragend war der Organisationsapparat, über dender Staat verfügte. Wiederum versetze man sich in Zeiten, indenen es an geschultem Personal noch fehlte, um zu ermessen,welchen Vorsprung der Staat in seinem Beamtenapparat hattevor privaten Unternehmern, die sich ihren Stab von Leuten undAufsehern erst heranbilden mußten.

Die überragende Größe der staatlichen Unternehmung lagaber ebenso auf dem rein geistigen Gebiete. An keiner Stelleaußer beim Fürsten konnte das Interesse so sehr auf die ferneZukunft eingestellt sein und konnten deshalb ganz weit angelegtePläne entworfen und ausgeführt werden. Was alles kapita-listische Wesen auszeichnet: die Langsichtigkeit der Unternehmung,die Dauerhaftigkeit der geistigen Energie: das mußte bei staat-lichen Unternehmungen wie von selbst aus ihrem Wesen heraus-wachsen.

Aber auch an schöpferischen Ideen, an umfassenden Kennt-nissen, an wissenschaftlicher Schulung: wer sollte den genialenLeitern der modernen Staaten gleichkommen? Wo war so vielGenie damals wie in den Regierungsstuben vereinigt? Denndie Talente blieben der Staatsverwaltung in jener Zeit nochnicht fern. Natürlich denke ich nur an die hervorragendenFürsten und ihre Staatsmänner und Beamten, an denen jaaber die Geschichte so außerordentlich reich ist. Wer war indem Frankreich seiner Zeit auch als kapitalistischer Unternehmerbegabter als Colbert '^), wer unter Friedrich dem Großen be-gabter im Lande etwa als der Freiherr von Äeinitz, der Schöpferdes staatlichen Bergwesens in Oberschlesien ?