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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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126 Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

Wes GeistesKind diese neuen Männer waren, die heran-krochen, um die Welt zu erobern, werden wir am besten er-kennen, wenn wir die eigentümliche Art, Handel zu treiben undUnternehmer zu sein, bei drei Völkern beobachten, in denen sichderkaufmännische" Geist zuerst und am reinsten zur Blüteentfaltet hat: bei den Florentinern, den Schotten und denJuden.

1. Die Florentiner^")

Scharf hebt sich das Vorgehen der Florentiner wenigstensseit etwa dem 13. Jahrhundert von dem der Venetianer,Genuesen und auch der Pisaner in der Levante , die ja vorallem in Betracht kommt, ab. Während die anderen Städtekämpfen, treibt Florenz Äandel". Jener Machtmittel istein starkes Keer, ist eine starke Flotte. Die Florentinerhaben während der Blütezeit ihres .Handels keine Kriegsflotte,ja nicht einmal eine nennenswerte Kauffahrteiflotte besessen.Ihre Waren verladen sie auf fremde Schiffe, die sie chartern,und wenn sie Schutz brauchen, nehmen sie proven?alische odergenuesische Galeeren in ihren Dienst. Am liebsten umgehen siedie Gefahr: sie wählen Reisewege quer durch das Land undmachen weite Amwege, um den vielen Seeräubern im Archipeloder den Schiffen der rivalisierenden Nation nicht zur Beutezu fallen. Womit sie ihre Erfolge bei fremden Völkern er-rangen, waren ganz andere Dinge: 1. Geld: der FlorentinerWarenhandel ist von Anbeginn noch viel ausschließlicher alsder anderer Nationen mit Geldgeschäften verbunden, und reineGeldgeschäfte bilden von jeher einen Äauptteil der FlorentinerGeschäftstätigkeit; 2. Verträge: Pagnini zählt die langeReihe der geschickt von den Florentinern abgeschlossenenHandelsverträge auf; 3. Sachkunde: die berühmten Traktatedes Balducci (Pegolotti) und Azzano sprechen dafür: siebildeten die Quelle, aus denen die damalige Kaufmanns-