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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Siebentes Kapitel: Die Grundtypen d. kapitalistischen Unternehmertums 1

lehen, aus denen wir entnehmen können, daß die ärmeren Meisterihre Schuld abarbeiten mußten '^).

1548 verbietet ein englisches Gesetz den reichen Meistern derLederzünste, die ärmeren mit Leder zu versorgen; 1549 5V wird dasGesetz aufgehoben mit der Begründung: ohne dem ginge es nichts).

In Frankreich dasselbe Bild um dieselbe Zeit: arme Hutmacherin Abhängigkeit von reichen^").

Aber viel häufiger waren es Kaufleute, meist Zwischen-händler, die zu Verlegern der Handwerker wurden. DieserVorgang ist so häufig, daß er fast als der normale erscheint.Sein häufiges Vorkommen hat sogar die Blicke der Historikerso sehr geblendet, daß sie das Problem der Entstehung kapi-talistischer Produktionsunternehmungen in ein allmählichesÜbergreifen des Handelskapitals" in die Produktionssphäresimplifizieren (Marx!). Davon ist nun natürlich keine Rede,wie dieses Buch zu genügend deutlicher Erkenntnis bringt. Aberdaß, wie gesagt, die Fälle häufig waren, in denen Waren-händler zu Leitern von Produktionsunternehmungen wurden,unterliegt keinem Zweifel. Diejenigen Gewerbe, in denen dieserVorgang besonders häufig sich abspielte, sind:

1. (vor allem!) die Textilindustrie, wo in sämtlichen Ländernsicher seit dem 14. Jahrhundert, vielleicht schon früher, die Mit-glieder der Calimala-Zunst, die Gewandschneider, die Llotliiers,die msi-cliÄncjs cirspierZ, das heißt also: die Tuchhändler(ebenso wie die Seidenwarenhändler) auf der einen Seite, dieGarnhändler auf der anderen Seite, Handwerker verlegen;

2. der Bergbau und das Hüttenwesen, soweit es nicht grund-herrliches Gepräge beibehielt;

3. die Galanteriewarenbranche (Paternostermacher!);

4. die Schneiderei: mindestens im 17. Jahrhundert habensich in allen größeren Städten aus den meist jüdischenKleiderhändlernKonfektionäre" entwickelt