Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden
151
Einen viel breiteren Raum nimmt die kaufmännische Tugend-lehre ein in dem englischen Gegenstück zum pgrfmt ne^ociant:dem „vollkommenen Händler", einem Werke, das bekanntlichD. Defoe zugeschrieben wird^):
Fleißig sei der Kaufmann! „Der fleißige Kaufmann istimmer der wissende und vollkommene Kaufmann" (S. 45). Ermeide tunlichst alle Vergnügungen und Zerstreuungen, auchwenn sie als unschuldig bezeichnet werden: das Kapitel, dasdavon handelt (das neunte in der vierten Auflage), trägt dieÜberschrift: „Oi innocent Oiversions, as ilie^ sre csllecl.l-lovv fatal to tlie Iraclesman, especiall^ to tke ^ounAer 3ort":„Von den unschuldigen Zerstreuungen, wie sie geheißen werden.Wie verhängnisvoll sie für den Kaufmann, insonderheit fürden jungen, sind." Am gefährlichsten sind die sportlichen undseigneurialen Belustigungen. „Wenn ich einen jungen Laden-besitzer Pferde halten, Jagden reiten sehe, die Äundesprachelernen und den Sportsmann-Iargon reden höre, so bekommeich immer einen Schrecken" (S. 87).
Na, und dann vor allem: Keinen Aufwand machen! „Einkostspieliges Leben (expensive livinZ) ist wie ein schleichendesFieber"; „es ist der verborgene Feind, der die Lebendigen auf-frißt"; „es frißt das Leben und das Blut des Kaufmannsauf" und so weiter in vielen ähnlichen Wendungen (S. 97 f.).Der gute Wirt macht übertriebenen Aufwand weder für seinKaus, noch für seine Kleidung, noch für Geselligkeit, noch fürEquipagen u. dgl. „Das Geschäftsleben ist kein Ball, zu demman geschmückt und maskiert geht"; „es wird allein durchKlugheit und Mäßigkeit (pru^ence snä ii-uZalit^) im Gangerhalten" (S. 103). „Durch kluge Geschäftsführung und mäßigeLebensweise kann man seinen Reichtum beliebig vermehren(2, 208). „Wenn die Ausgaben hinter den Einnahmen zurück-bleiben, wird der Mensch immer vorwärts kommen; wenn dies