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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Der Bürgergeist

durch Jagdvergnügungen, durch Gelage, durch viele Freundeund Gastereien usw. Genaue Zeiteinteilung ist die Hauptsache.Niemals dürfen die Ausgaben die Einnahmen überschreiten.Mit Fleiß kann der gute Wirt auch schlechte Böden fruchtbarmachen. Ein altes Sprichwort sagt: der gute Hausvater sollmehr bedacht sein auf den Profit und die lange Dauer derSachen, als auf eine momentane Befriedigung und gegen-wärtigen Nutzen^).

Der Italiener Tanara^"» stellt als obersten Leitsatz dieNützlichkeit auf: auch im Garten soll man keine Blumen ziehen,mit denen man nichts verdienen kann, sondern nur markt- undabsatzfähige Ware: die Schönheit des Gartens Eden hat denarmen Adam und mit ihm uns alle ins Elend gestürzt. Reich-tum erwirbt man nicht durch Hofdienst, Kriegsdienst oderAlchimie, sondern durch sparsame Wirtschaftsführung.

Im 17. Jahrhundert begegnen uns zahlreicheKaufmanns-bücher" undKaufmannslexika", in denen die Ermahnungen anden jungen und alten Geschäftsmann, sein Leben und seineWirtschaft vernünftig und tugendhaft zu gestalten, einen breitenRaum einnehmen. Wieder sind es dieselben Lehren: bedenkealles wohl, halte gute Ordnung, sei nüchtern, fleißig und spar-sam, so kann es dir an nichts fehlen, und du wirst ein geachteterBürger und ein wohlhabender Mann werden.

Da haben wir Savarys bekanntes Werk: 1.e pai-iÄtneZociant, das Colbert gewidmet ist. Es handelt zwar vor-wiegend von der Kaufmannskunst; aber die Kaufmannsmoralwird doch nicht unberücksichtigt gelassen: das Glück und derReichtum der Kaufleute hängen ab: 1. von der genauen Sach-kenntnis; 2. von der guten Ordnung im Geschäft; 3. vomFleiß; 4. von der Sparsamkeit und der guten Wirtschaft desHauses (cie I'eparAne et 6e I'oeconomie de leur msison);5. von der geschäftlichen Solidität^").