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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden

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schlafende Fuchs kein Geflügel fängt, und daß man im Grabelange genug schlafen wird . ."

Ist mir aber die Zeit das kostbarste unter allen Dingen, somuß Zeitvcrschwendung die größte aller Arten von Ver-schwendungen sein . . . verlorene Zeit läßt sich nie wiederfinden, und was wir Zeit genug heißen, ist immer kurz genug"

And der vollendeten Zeitökonomie muß die vollendete Stoff-ökonomie entsprechen: Sparen, sparen, sparen, hallt's uns vonallen Seiten aus den Schriften Frank lins entgegen.

Wollt ihr reich werden, so seid aufs Sparen ebensowohlwie aufs Erwerben bedacht. Beide Indien haben Spanien nicht reich gemacht, weil seine Ausgaben noch größer sind alsseine Einkünfte. Weg also mit euren kostspieligen Tor-heiten"

Das A und das O der Franklinschen Lebensweisheit ist indie zwei Worte zusammengefaßt: Inciustr^ ^nci fruZalit^: Fleißund Mäßigkeit. Das sind die Wege, um zu Reichtum zu ge-langen:Vergeude nie Zeit noch Geld, sondern mache immervon beiden den denkbar besten Gebrauch"

Am wiederum zu zeigen, wie sich ein ganzes Lebensbildeines Menschen gestaltet, der solcherweisedie heilige Wirt-schaftlichkeit" anbetet, setze ich eine Stelle aus BenjaminFrank lins Memoiren hier her, in der er uns belehrt, welcheTugenden überhaupt er für die wertvollsten hielt, und wie erselbst zu einem tugendhaften Menschen sich erzogen hat. IndemTugendschema", das der große Mann dort entwirft, findetdiebürgerliche" Lebensauffassung ihren letzten und höchstenAusdruck. Die Stelle lautet^):

Ängefä'hr um diese Zeit faßte ich den kühnen und ernsten Vor-satz, nach sittlicher Vervollkommnung zu streben. Ich wünschte lebenzu können, ohne irgendeinen Fehler zu irgendeiner Zeit zu begehen;ich wünschte, alles zu überwinden, wozu entweder natürliche Neigung,