Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden 159
den Wirtschaftssubjekten der neuen Zeit, den kapitalistischen Unternehmern, wenigstens von den Kaufleuten und Handwerkern(unserm Typus 4, 5 und 6) allmählich Besitz ergriffen hat.Vielleicht in den verschiedenen Ländern in verschieden hohemGrade: vielleicht waren die Franzosen im 17. und 18. Jahr-hundert schlechtere „Wirte" als die Holländer oder die Amerikaner;darauf lassen gelegentliche Bemerkungen schließen, wie wir sie inSchriften urteilsfähiger Leute, nach Art etwa des „PatriotischenKaufmanns", finden: da wird z. B. der Sohn des französischenHandelsherrn nach Holland in die Lehre geschickt, „wo er dieschöne Ökonomie lernt, die die Häuser reich macht"
Aber von diesen Nuancen abgesehen, wird die Bürgerlichkeitdoch wohl mit der Zeit ein Bestandteil des kapitalistischen Geistes. Denn wie kämen sonst, wenn sie nicht diesem Geisteentsprochen hätte, immer wieder die ersten Vertreter ihrer Zeitdazu, sie mit denselben Worten zu predigen? Müssen wir darausnicht den Schluß ziehen, daß sie in der Natur der Dinge be-gründet war. Mit welcher Frage ich freilich schon in daszweite große Problem, das uns in diesem Buche beschäftigensoll, hinübergegriffen habe: in das Problem der Entstehungs-ursachen des kapitalistischen Geistes. Ich will deshalb lieberhier auf dieses Argumentum des „In der Natur der Sache ge-legen sein" verzichten und als Beweis für die Tatsache, daßweite Kreise vom Geist der Bürgerlichkeit ergriffen worden sind,daß das Motto: Sparsam, fleißig und mäßig! in vielen Kon-toren über den Pulten geprangt habe, nur den Llmstand an-führen, daß die Schriften, in denen jene Lehren verkündetwurden, zu den meist gelesenen ihrer Zeit gehört haben.
Alberti, sahen wir schon, war in dem Italien seiner Zeitklassisch geworden: Defoe war in beiden Welten gleich be-kannt; Benjamin Franklin vor allem hat eine Verbreitunggehabt, wie wenige Schriftsteller vor ihm und nach ihm. Wenn