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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Der Bürgergeist

man es für die früheren Jahrhunderte nicht gelten lassen will:für das 18. Iahrbundert ist es mit Äänden zu greifen, daß derGeist des Großvaters Lionardos in weiten Kreisen Eingang ge-funden hatte. Dafür erbringt das Schicksal der FranklinschenSchriften den bündigen Beweis:

Die Quintessenz der Franklinschen Weisheitslehren ist ent-halten in »?c>or Kicn3rä8 /^ImanÄL«, den er Jahrzehntehindurch jährlich erscheinen ließ. Eine Zusammenfassung wiederumder hierin vorgetragenen Ansichten enthältdie Ansprache desVaters Abraham an das amerikanische Volk auf einer Auktion"im Jahrgang 1758 dieses Kalenders. Diese Ansprache wurdeunter dem TitelDer Weg zum Reichtum" C7ne >Vc>y w>Ve3lin) als besondere Schrift herausgegeben, und als solchewurde sie der Welt bekannt. Sie wurde in allen Zeitungenabgedruckt und über den Erdball verbreitet. 70 Auflagen sinddavon in englischer Sprache erschienen, 56 in französischer, 11 indeutscher, 9 in italienischer. Die Schrift wurde außerdem über-setzt in die spanische, dänische, schwedische, wallisische, polnische,gälische, russische, böhmische, holländische, katalonische, chinesische,neugriechische Sprache und in die Sprechschreibweise (plioneticwntinA). Sie ist mindestens 400 mal gedruckt^").

Da muß man doch schon annehmen, daß eine allgemeine Nei-gung vorhanden war, sich von diesem Manne belehren zu lassen.

2. Die Geschäftsmoral

Ein guter Geschäftsmann sein, heißt nicht nur, seine Wirtschaftim Innern in bester Ordnung halten, sondern schließt auch in sichein besonderes Verhalten zur Außenwelt: ich nenne die daraufbezüglichen Regeln und Vorschriften die Geschäftsmoral. Wobeiich dem Worte einen doppelten Sinn unterlege. Geschäfts-moral heißt nämlich sowohl Moral beim Geschäft, als auchMoral fürs Geschäft.