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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Neuntes Kapitel: Die Rechenhaftigkeit

Da sich ein großer Teil der kapitalistischen Wirtschaft ineine Abschließung von Verträgen über geldwerte Leistungen undGegenleistungen auflöst (Kauf von Produktionsmitteln, Verkaufvon fertigen Produkten, Ankauf der Arbeitskräfte usw.), undda aller Anfang des kapitalistischen Wirtschaftens ebenso wiealles Ende eine Geldsumme ist, so bildet, wie man bereits inden Anfängen der kapitalistischen Wirtschaft sehr wohl begriffenhatte "^), einen wichtigen Bestandteil des kapitalistischen Geistesdas, was ich schon früher die Rechenhaftigkeit genannt habe.Worunter zu verstehen ist: die Neigung, die Gepflogenheit,aber auch die Fähigkeit, die Welt in Zahlen aufzulösen unddiese Zahlen zu einem kunstvollen System von Einnahmen undAusgaben zusammenzustellen. Die Zahlen, das versteht sich,sind immer der Ausdruck einer Wertgröße, und das Systemdieser Wertgrößen soll dazu dienen, die Minus- und Plus-werte in ein solches Verhältnis zueinander zu bringen, daß sichdaraus ersehen läßt, ob das Anternehmen Gewinn oder Verlustgebracht hat. Die beiden Seiten derRechenhaftigkeit" stellensich also dar in dem, was heute zwei Disziplinen der Privat-wirtschaftslehre bildet: in demkaufmännischen Rechnen" einer-seits, in derBuchführung" andererseits.

Die Entstehung und Weiterbildung der Rechenhaftigkeit zuverfolgen, stehen uns drei Wege offen:

1. können wir an dem Stande des technischen Apparatessymptomatisch den Stand der Rechenhaftigkeit feststellen;

2. können wir aus überlieferten Rechnungen und Buchführungenunmittelbar ersehen, wie eine Zeit gerechnet hat;

3. können wir gelegentliche Äußerungen von Zeitgenossen alsZeugnisse für den Zustand der Rechenhaftigkeit in einer be-stimmten Epoche oder in einem bestimmten Lande verwenden.