Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden
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sein — aus Geschäftsinteresse. Denn eine solche sittliche Lebens-führung hebt den Kredit.
Bei Alb erti ist die Bezeichnung für solcherart Tugendhaftig-keit, also für das, was wir „bürgerliche Wohlanständigkeit" nennen,one 8 ta. And die one8ta ist in seinem Moralkodex die zentraleTugend, von der alle anderen ihren Sinn und ihre Belichtungempfangen: sie soll uns immerfort begleiten wie ein öffentlicher,gerechter, praktischer und sehr kluger Makler, der jede unsererHandlungen, Gedanken und Wünsche mißt, wägt und abschätzt.Die bürgerliche Wohlanständigkeit gibt allen unsern Vornahmenden letzten Schliff. Sie ist von jeher die beste Lehrmeisterin derTugenden, eine treue Gefährtin der Sitten, eine verehrungs-würdige Mutter eines ruhigen und glücklichen Lebens gewesen.And — die Hauptsache — sie ist uns außerordentlich nützlich. Daher— wenn wir immer uns der Wohlanständigkeit befleißigen ^werden wir reich, gepriesen, geliebt und geehrt sein. . . . "^).
Mit fast gleichen Worten wiederum tönt es durch alle Jahr-hunderte hindurch: die italienische one8tk wird zur französischenIionnetete, zur englischen Kone8l^: alles Begriffe, die be-zeichnenderweise Ehrbarkeit und geschäftliche Solidität gleicher-maßen umfassen. Immer auch haftet ihnen ein wenig Schein-heiligkeit an; weil es ja — im Geschäftsinteresse - genügt,wenn man für wohlanständig gehalten wird. Es zu sein, ge-nügt jedenfalls nicht, man muß auch dafür gelten. Weshalb dennBenjamin Franklin zu diesem Entschluß kam: „um meinenKredit und meine Stellung als Geschäftsmann zu stärken, trugich Sorge, nicht nur in Wirklichkeit arbeitsam und nüchtern zusein, sondern auch allen Anschein des Gegenteils zu vermeiden.Ich kleidete mich darum schlicht; ich ließ mich nie an einem Ortesehen, wo nichtige Vergnügungen veranstaltet wurden; ich gingnie fischen, nie jagen usw."
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