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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Der Bürgergeist

heit. Noch im 18. Jahrhundert wird z. B. der Abstandempfunden, der zwischen der amerikanischen und der holländischenGeschäftskunst bestand. Franklin erzählt'") von der Witweeines Kompagnons, einer geborenen Holländerin: wie sie erstihm regelmäßige und genaue Abrechnungen schickte, zu denenihr Mann lein Amerikaner) nicht zu bringen war:Die Buch-haltung", fügt er hinzu,bildet in .Holland einen Bestandteildes weiblichen Anterrichts." Das galt für die I7Z0er Jahre.

Dann trat England den Niederlanden zur Seite. ImAnfang des 19. Jahrhunderts wiesen die deutschen Kaufleuteauf England und Kolland hin als die Länder mit der fort-geschrittenenkaufmännischen Bildung", die innerhalb Deutsch-lands wiederum damals in Hamburg am höchsten entwickeltgewesen zu sein scheint. Aber das Verhältnis dieser Länderzueinander schreibt in den 1830 er Jahren ein guter Sachkennerfolgendes:

Zu solchen freien und klaren Ansichten in Handelssachen,wie namentlich der Engländer, dieser Kaufmann durch unddurch, sie hat, gelangt der Hamburger sehr selten oder erstspät; das Dezidierte, Selbständige, was jener an den Tag legt,fehlt diesem mehr oder weniger in der angedeuteten Beziehungganz. Dennoch kann man die hamburgische kaufmännischeAkkuratesse dem übrigen Deutschland mit Recht alsMuster nachrühmen; sie kommt fast der holländischen an Amsichtgleich, ist aber bedeutend liberaler, als die des ängstlichenMynheer"

Daß aber damals die Rechenhaftigkeit selbst in den wenigerfortgeschrittenen Ländern einen eisernen Bestand im kapi-talistischen Geiste bildete, versteht sich.

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