Elftes Kapitel: Die Entwicklung in den einzelnen Ländern 17Z
die bürgerlichen Tugenden durch Männer wie Alberti zuerstgelehrt und gepflegt; hier entwickelte sich die Rechenhaftigkeitzuerst zur vollen Blüte in den Darstellungen des Fibonacciound des Paciuoli; hier wurde, um auch das noch zu er-wähnen, die statistische Betrachtung der Dinge zuerst auf dasreichste ausgebildet: Burckhardt vergleicht eine statistischeAufzeichnung eines Florentiners vom Jahre 1442 mit einerStatistik von Venedig, die fast aus demselben Jahre stammt undmeint: diese offenbare freilich einen weit größeren Besitz, Er-werb und Schauplatz: „allein wer erkennt nicht in der floren-tinischen Aufzeichnung den höheren Geist?" Er spricht imZusammenhang damit von einem „angeborenen Talent derFlorentiner für die Berechnung des ganzen äußeren Daseins".
Diese kapitalistische Herrlichkeit nimmt aber ein ziemlichrasches Ende. Zwar bleiben der rechnerische und der haus-hälterische Sinn dieselben; ja sie werden während des 16. und17. Jahrhunderts, wie wir aus den Schriftstellern dieser Zeitersehen konnten, noch weiter ausgebildet. Aber der Unter-nehmungsgeist erlahmt. Wir können ganz deutlich verfolgen,wie in Süditalien schon seit dem Ende des 15. Jahrhunderts,in den übrigen Teilen des Landes seit dem 16. Jahrhundertdie Freude am Erwerb und die geschäftliche Betriebsamkeiteiner behaglichen, bald seigneurialen, bald rentnerhaften Lebens-führung Platz machen.
Aus einem süditalienischen Städtchen (La Cava) wird schonvor dem Jahre 15l)l) geklagt: der Ort sei sprichwörtlich reichgewesen, solange dort lauter Maurer und Tuchweber lebten;jetzt, da man statt Maurerzeug und Webstllhlen nur Sporen,Steigbügel und vergoldete Gürtel sehe, da jedermann Doktorder Rechte oder der Medizin, Notar, Offizier und Ritter zuwerden trachte, sei die bitterste Armut eingekehrt^").
In Florenz setzt eine ähnliche Entwicklung zur Feudalisierung,