174 Dritter Abschnitt: Die nationale Entfaltung d, kapitalistischen Geistes
oder wie man es genannt hat: zur Äispanisierung des Lebens,„deren Kauptelemente die Verachtung der Arbeit und die Suchtnach Adelstiteln war", unter Cosimo, dem ersten Großherzog,ein: ihm dankte man, daß er die jungen Leute, welche jetztÄandel und Gewerbe verachteten, zur Ritterschaft in seinenStephansorden heranziehe. Es zeigt sich gerade in Florenz einallgemeines Streben der Reichen nach der Ritterwürde, dieman vor allem darum begehrte, weil sie allein die Turnier-fähigkeit verlieh. And das Turnierwesen erlebte gerade wiederin Florenz eine starke Nachblüte. Man hatte sich — echtbürgerlich — eine weniger gefährliche Form des Turniers zu-recht gemacht, der man nun mit Leidenschaft huldigte, ohne sichbewußt zu sein, welche Karikatur diese Mischung bürgerlichenund feudalen Wesens darstellte. Schon die ersten Medicinehmen sich der Turniere „mit einer wahren Leidenschaft an,als wollten sie, die unadligen Privatleute, zeigen, daß ihr ge-selliger Kreis jedem Äofe gleichstehe" '^).
Auch in den übrigen oberitalienischen Städten setzt seit dem16. Jahrhundert eine ähnliche Entwicklung ein. Wurde dasIdeal des reich gewordenen Bourgeois der Ritter, so strebtendie mittleren Existenzen nach einem geruhsamen Rentnerleben,wenn möglich auf der Villa: eine »viw temperaw«, ein »8wtopÄciiiLv« wurden als die wahren Werte gepriesen. Das istder Ton, auf den beispielsweise alle die zahlreichen Landwirt-schaftsschriften abgestimmt sind, aus denen wir schon einigeProben kennen gelernt haben "^).
2. Die Pyrenäenhalbinsel
Auch in einigen Städten der Pyrenäenhalbinsel scheintfrühzeitig kapitalistisches Wesen sich entfaltet zu haben. Waswir von Barcelona , seinem Handels- und Seerecht, aus demMittelalter wissen (viel ist es nicht), läßt darauf schließen, daß