Elftes Kapitel: Die Entwicklung in den einzelnen Ländern 175
hier mindestens im 14. Jahrhundert schon eine starke Durch-dringung der Geschäftswelt mit kapitalistischem Geiste statt-gefunden hatte. Anser Augenmerk wird dann wieder auf dieEreignisse in Portugal und Spanien gelenkt, als die Entdecker-fahrten im 15. Jahrhundert sich häufen, die schließlich zu denbeiden großen geographischen Funden am Ende des Jahr-hunderts führen. Kein Zweifel, daß damals ein unstillbarerGolddurst, aber auch ein kühner Anternehmungsgeist weiteKreise der Bevölkerung in den Küstenstädten der Pyrenäen-halbinsel beseelte, die sich während des 16. Jahrhunderts in denEroberungszügen nach Amerika und der Kolonisation des neuenErdteils zu großer Stärke und Gestaltungskraft entfalten. Aberin diesen Eroberungszügen und Kolonisationsunternehmungenerschöpfte sich der kapitalistische Geist der Spanier und Portu-giesen keineswegs: wir sehen die Lissaboner Kaufleute einenHandel mit den neuentdeckten und angenäherten Gebieten desWestens und Ostens führen, der den der Italiener an Amfangjedenfalls weit übertraf, wir finden die Sevillaner die Silber-schiffe zur Rückfracht mit Waren beladen. Wir begegnen aberim 16. Jahrhundert an verschiedenen Orten einer ausgedehntenIndustrie, die auf eine nicht geringe Entwicklung des kapitalistischen Geistes schließen läßt. In Sevilla schlugen 16000 Webstühle,die 130000 Personen Arbeit verschafften^^). Toledo verarbeitete430000 Pfund Seide, wobei 38484 Personen Beschäftigungfanden. Bedeutende Seiden- und Wollmanufakturen findenwir in Segovia '^) usw.
And dann kommt im 17. Jahrhundert die völlige Erstarrung,von der so oft berichtet worden ist. Der Anternehmungsgeisterlahmt, das Geschäftsinteresse erlischt: der Sinn der Nationwird allem Wirtschaftlichen entfremdet und wendet sich kirchlichenund höfischen oder ritterlichen Dingen zu. Wie am Ackerbau,so haftete nun am Handel der Makel einer Beschäftigung, die