Elftes Kapitel: Die Entwicklung in den einzelnen Ländern 177
kommen. Die Spanier lebten und webten in der Idee deskatholischen Kultus und der hierarchischen Weltanschauung;diese so weit wie möglich auszubeuten, hielten sie für ihrenBeruf; ihr Stolz war, die Stellung festzuhalten, die sie dazufähig machte; übrigens suchten sie das Leben in heiteren Tagen,ohne Mühe, zu genießen. Für die Emsigkeit fleißigen Erwerbeshatten sie keinen Sinn"^).
Für ihren ganz und gar dem kapitalistischen Geiste fremdenLebensstil habe ich schon früher Belege beigebracht: siehe obenSeite 34 f. And in den Kolonien, wo Spanier und Portugiesensich niederließen, herrschte bald derselbe Geists).
Frankreich ist zu allen Zeiten reich gewesen an großen undgenialen Unternehmern mit vorwiegend spekulativem Geiste:rasch und umfassend in ihren Plänen, draufgängerisch, phantasie-voll, ein wenig bramarbasierend, aber voller Schwung, vollerElan, der sie oft genug in Gefahr bringt, zu scheitern odergar im Gefängnis zu endigen, wenn sie nicht vorher schonerschlafft oder physisch zusammengebrochen sind. Ein solcherTypus ist Jacques Coeur im 15. Jahrhundert: jener Mann,der durch die Kraft seiner genialen Persönlichkeit eine kurzeZeit den französischen Handel großen Stils zu leuchtenderBlüte brachte. Er besitzt sieben Galeeren, beschäftigt 3l)0Faktoren und unterhält Beziehungen mit allen großen See-plätzen der Welt. „Die Gunst, die er beim Könige genoß (erwar Schatzmeister Karls VII .), kam seinen kommerziellen Anter-nehmungen in einem Maße zugute, daß kein anderer französischerKaufmann mit ihm zu konkurrieren vermochte. Ja das Kontordieses einen Mannes stellte eine Welthandelsmacht dar, die mitden Venetianern, den Genuesen und Catalonen rivalisierte."Die Gelder, die er in diesem Handel und durch manche nicht