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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
179
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Astes Kapitel: Die Entwicklung in den einzelnen Ländern 179

21. bis 26. Mai 1664 drei) gehalten, in denen reiche undeinflußreiche Kaufleute und Industrielle bearbeitet werden, damitsie sich zur Zeichnung von Aktien entschließen"') (wie etwaheute, wenn eineWissenschaftliche Akademie" oder eineOrient-Gesellschaft" aus den freiwilligen Beiträgen der reichen Leutebegründet werden soll).

Man lese die Bücher der Sayous, der Blondel undanderer genauer Kenner des französischen Wirtschaftslebens,und man wird finden, daß sie auf denselben Ton wie der Aus-spruch Colberts gestimmt sind.

Als indolent, ja sogar als faul galt der französische Ge-schäftsmann der früheren Zeit. Derpatriotische Kauf-mann", dem wir schon öfters auf unseren Wegen begegnetsind"-), klagt um die Mitte des 18. Jahrhunderts, daß in denGeschäften Frankreichs so wenig gearbeitet werde: er möchte,daß sein SohnTag und Nacht" arbeite,statt zwei (I) Stundenam Tage, wie es in Frankreich Sitte ist". Äbrigens ist dasBuch selbst ein Beweis, daß der Geist Franklins im damaligenFrankreich keineswegs bei allen Kaufleuten Wurzel gefaßthatte: es ist voller romantischer Ideen, voller Schwung, vollerchevaleresker Neigung trotz seiner Sehnsucht nach ameri-kanischen Zuständen.

Diesem gering entwickelten kapitalistischen Sinn entsprechen(und entsprachen: der Geist der französischen Nation ist sich indieser Hinsicht während der letzten Jahrhunderte merkwürdig gleichgeblieben) die positiven Ideale des Volks der Franzosen . Da be-gegnen wir (wenigstens noch im 18. Jahrhundert) stark aus-geprägten seigneurialen Neigungen auf der einen Seite. Wir lesenwiederum, wie unser Gewährsmann, der patriotische Kaufmann,sich bitter über diesen verhängnisvollen Zug seiner Landsleutezu verschwenderischem Leben beklagt: daß sie ihren Reichtum,

statt ihn in kapitalistischen Unternehmungen anzulegen, zu un-

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