180 Dritter Abschnitt: Die nationale Entfaltung d, kapitalistischen Geistes
nützen Luxusausgaben verwendeten: das sei der Grund, weshalbman in Frankreich für Leihkapitalien in Handel und Industrie5—6 Prozent bezahlen müsse, die man in Holland und England für 2^/2—3 Prozent bekomme. Er meint: Darlehn an dieGeschäftswelt zu 3 Prozent seien viel profitabler und räsonablerals „der Ankauf dieser schönen Landgüter, die nichts tragen" ^).
Auf der anderen Seite zieht sich wie ein roter Faden durchdie ganze französische Wirtschaftsgeschichte die Hemmung derEntwicklung kapitalistischen Wesens durch eine andere Eigenartoder wie die dem Kapitalismus feindlich gesinnten Beurteilersagen: Anart des französischen Volkes: seine Vorliebe für diegesicherte (und angesehene) Stellung des Beamten. Diese„Plage der Stellenjägerei" (»>a pwie cZu konctionnansme«),wie sie ein urteilsvoller Geschichtschreiber des französischenHandels nennt ^), der französische Ämterwahnsinn (»la tolietrancaise äes oiiices«), wie ein anderer nicht minder kenntnis-reicher Autor diesen Zug bezeichnet^"), womit eine Verachtungder industriellen und kommerziellen Berufe (»le c^eäsin äescarriereg incjustnelle8 et Lommerciales«) verbunden ist, beginntseit dem 16. Jahrhundert und ist heute noch nicht verschwunden.Sie bekundet die geringe Stärke, die der kapitalistische Geist inFrankreich seit jeher erreicht hat: wer irgend konnte, zog sichaus dem Geschäftsleben zurück oder vermied es einzutreten undverwendete sein Vermögen, um sich damit (wie es bis ins18. Jahrhundert allgemein möglich war) ein Amt zu kaufen.Die Geschichte Frankreichs ist ein Beweis für die Verbreitungdieser Sitte über alle Schichten der Bevölkerung.
Im engen Zusammenhange mit solcher Art Neigungen stehtdann — man kann sie ebensogut als Arsache wie als Wirkungansehen — die geringe Achtung, die man Handel und Ge-werbe in Frankreich , man darf wohl sagen: bis zum Juli-königtum, entgegenbrachte. Nicht, daß die Reichen nach dem