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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
195
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Zwölftes Kapitel: Der Bourgeois alten Stils 195

Soviel ich nun sehe, tragen die kapitalistischen Unternehmervom Beginn der kapitalistischen Entwicklung an bis etwa gegenEnde des 18, Jahrhunderts, das heißt während jener Epoche,die ich die frühkapitalistische genannt habe, bei allen Anter-schiedlichkeiten im einzelnen doch in vielen Beziehungen ein ein-heitliches Gepräge, das sie scharf abhebt von dem modernenUnternehmertyp. Dieses Bild von dem Bourgeois alten Stilswill ich hier in den Amrissen zu zeichnen versuchen, ehe ichangebe, worin ich die dem letzten Jahrhundert eigentümlichenZüge des kapitalistischen Geistes erblicke.

Kapitalistischer Unternehmer war dieser alte Bourgeois alsoauch: der Erwerb war sein Ziel, die Begründung von Anter-nehmungen sein Mittel; er spekulierte und kalkulierte; undschließlich nahmen auch die bürgerlichen Tugenden (freilich ineinem sehr verschiedenen Grade I) von seinem Wesen Besitz.Was ihn aber sein eigentümliches (uns heute so fremd ge-wordenes) Gesicht gibt, war dieses wenn man in einemSatze denalten Stil" bezeichnen will: daß in allem seinenDenken und Planen, in allem seinem Lassen und Tun dasWohl und Wehe des lebendigen Menschen die Bestimmungabgab. Noch hatte die vorkapitalistische Leitidee ihre Wirkungnicht eingebüßt: omnium rerum mensura nomo: das Maßaller Dinge blieb der Mensch. Genauer: blieb die natürliche,sinnvolle Auswirkung des Lebens. Noch schreitet selbst derBourgeois auf seinen beiden Beinen breitspurig dahin, nochgeht er nicht auf den Sünden.

Freilich: von dem vorkapitalistischen Menschen, wie wir ihnnoch in den ersten Anfängen des Kapitalismus antreffen, alsdie Genueser adligenKaufleute" sich Burgen bauten, oder alsSir Walter Raleigh das Goldland suchen ging: freilich vondem haben sich bis zu den Defoe und Benjamin Franklin nur

Teile erhalten. Der natürliche Vollmensch mit seiner gesunden

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