196 Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt
Triebhaftigkeit hat schon viele Einbuße erlitten; hat sich in dieZwangsjacke der bürgerlichen Wohlanständigkeit gewöhnen; hatrechnen lernen müssen. Seine Klauen sind gestutzt; seine Raub-tierzähne abgefeilt; seine Äörner mit Lederpolstern versehen.
Aber alle, die dem Kapitalismus dienen: der große Grund-herr, wie der große Äberseekaufmann, der Bankier wie derSpekulant, der Manufakturer wie der Wollhändler: sie allehaben doch nicht aufgehört, ihre geschäftliche Tätigkeit den An-forderungen gesunder Menschlichkeit anzupassen; für sie alle istdas Geschäft nur Mittel zum Zweck des Lebens geblieben; fürsie alle entscheiden ihre eigenen Lebensinteressen und die derandern Menschen, für die sie, mit denen sie tätig sind, überdie Richtung und das Ausmaß ihres Wirkens.
Daß sie so dachten, die Bourgeois alten Stils, bezeugtzunächst:
1. (und vor allem) ihre Auffassung vom Sinn desReichtums; ihre innere Stellung zum eignen Erwerb.Der Reichtum wird geschätzt, ihn zu erwerben ist das heiß er-sehnte Ziel, aber er soll nicht Selbstzweck sein; er soll nur dazudienen, Lebenswerte zu schaffen oder zu erhalten. So klingtes uns aus den Schriften aller derer entgegen, die wir im Ver-lauf dieser Darstellung schon öfters als Gewährsmänner benutzthaben: von Alberti bis Defoe und Franklin sind alle Betrach-tungen über den Reichtum auf denselben Ton abgestimmt.
Wie wertvoll Reichtum ist, meint Alberti, das weiß nurder zu beurteilen, der einmal gezwungen ist, zu einem andernjenes „bittere und freien Geistern aufs tiefste verhaßte Wortzu sprechen: ich bitte dich""""). Der Reichtum soll uns frei undunabhängig machen, er soll dazu dienen, Freunde zu erwerben,uns angesehen und berühmt zu machen"^). Aber: „was mannicht nützt, ist eine schwere Last" 2°").
Es wird genügen, wenn ich diesen Äußerungen aus den