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Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt
And wie man den Tag über, das Jahr über sich Mußeließ, so auch im Leben als Ganzes genommen. Es war wohldie allgemeine Gepflogenheit, daß Leute, die sich in Äandelund Produktion ein — bescheidenes — Vermögen erworbenhatten, in noch guten Jahren sich zur Ruhe setzten und wennirgendmöglich sich ein Landgut kauften, um auf ihm ihrenLebensnachmittag in beschaulicher Ruhe zu verbringen. JacobFugger , dessen Ausspruch: „er wollte gewinnen, dieweil erkönnte", ich selbst einmal als typisch-charakteristisch für einevollendete kapitalistische Wirtschaftsgcsinnung iwas er sicherauch ist) einer Darstellung der Genesis des modernen Kapi-talismus als Motto vorgesetzt habe, ist seiner Zeit sicherlichweit vorausgeeilt. Wie ihn denn ja auch Anton Fugger alseinen sonderbaren Kauz mit dieser Auffassung kennzeichnen will.Er war nicht „normal". Das waren vielmehr diejenigen, dieim Rucksack ihrer Lebensanschauung von vornherein das Rentner-ideal mitgebracht hatten.
Durch alle italienischen Kaufmannsbücher geht das Sehnennach einem ruhigen Leben in der Villa, die deutsche Renaissancehat denselben Zug, die Geschäftsleute zu feudalisieren, unddiesen Zug treffen wir unverändert an noch in den Gewohn-heiten der englischen Kaufleute im 18. Jahrhundert. DasRentnerideal erscheint uns also hier (wir werden sehen, daßes noch einen ganz anderen Sinn haben, daß es in einer ganzanderen Kausalreihe seinen Platz finden kann) als ein gemein-sames Merkmal frühkapitalistischer Wirtschaftsgesinnung.
Wie durchaus es noch die englische Geschäftswelt in derersten Äälfte des 18. Jahrhunderts beherrschte, dafür bringtuns wieder D efo e den Beweis bei durch seine Betrachtungen,mit denen er die offenbar allgemeine Gepflogenheit der eng-lischen Kaufleute, sich beizeiten zurückzuziehen, begleitet (imXl.1. Ln. der 3. Auflage des Lompl. tln^I. 1>2äesmgn). >